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 <title>Progress - Feuilleton</title>
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 <title>Ich publiziere, also bin ich</title>
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 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-images field-type-image field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div id=&quot;file-1694&quot; class=&quot;file file-image file-image-jpeg&quot;&gt;

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&lt;p&gt;Dank Internet können alle alles in Echtzeit publizieren, sei es ein Gedicht oder ein GIF, einen Comic oder ganze Serien. Die/Der KünstlerIn in uns ist für die Veröffentlichung ihrer Werke nicht mehr auf Communities angewiesen – er/sie kann sich ihre Plattform selber bauen. Die technischen Möglichkeiten, eigene Werke zu produzieren, sind heutzutage jedem und jeder zugänglich.
&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;SCHLAFENDE MANUSKRIPTE.&lt;/strong&gt; Seit der Erfindung der Druckerpresse durch Gutenberg um 1450 herum hat sich in der Vertriebslogistik des gedruckten Wortes so einiges getan. Die unzählige Male totgesagte Kulturtechnik des Lesens ist lebendiger denn je, ob auf Papier oder neuerdings auf dem E-Reader – womit jedoch nichts über die Qualität des Geschriebenen sowie der Rezeption gesagt ist. Technologie hat Einfluss auf die Lesegewohnheiten und diese ändern sich auch. AutorInnen stehen vor der Frage: Soll ich auf die herkömmlichen Vertriebskanäle der etablierten Verlage zurückgreifen oder die Sache selbst in die Hand nehmen und alle technischen Möglichkeiten ausschöpfen, um mir in Eigenregie Gehör zu verschaffen? Oder kann ich vielleicht sogar beides haben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Weg vom Erstlingswerk in der Schublade bis zur Veröffentlichung in einem renommierten Verlag ist meist lang und steinig. Die Dunkelziffer der unveröffentlichten Romane lässt sich kaum eruieren, sie muss jedenfalls horrend sein. Eine Anekdote, die über Glanz und Elend der AutorInnen in den Mühlen des Literaturbetriebs viel aussagt, betrifft Robert Schneiders Manuskript zum Roman „Schlafes Bruder“. Es wurde von 23 Verlagen abgelehnt, bis es beim Reclam-Verlag zum Welthit wurde. Im Anschluss soll der Autor einen Vorschuss in noch nie dagewesener Höhe vom Blessing-Verlag für seinen zweiten Roman „Die Luftgängerin“ erhalten haben. Allerdings wurde dieses Werk von der Literaturkritik einhellig verrissen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;Illustration: Anna Diem&quot; title=&quot;Illustration: Anna Diem&quot;   style=&quot;line-height: 1.538em;&quot; class=&quot;media-element file-default&quot; typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/selfpublishing1_1.jpg?itok=xi0TdesQ&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;PUBLIKATIONSKONTROLLE.&lt;/strong&gt; Self-Publishing-Verlage wie etwa tredition, der seinen Sitz in Deutschland hat, sind mit dem Versprechen angetreten, künftigen AutorInnen solche Umwege und Achterbahnfahrten zu ersparen. Sönke Schulz, Geschäftsführer von tredition, beschreibt die Misere der deutschsprachigen Verlagslandschaft: „2013 ergab eine Umfrage von tredition unter deutschsprachigen Publikumsverlagen, dass diese zwischen 3.000 und 10.000 unverlangt eingereichte Manuskripte pro Jahr erhalten. In der Regel wird kein einziges davon veröffentlicht. Und nicht etwa, weil alle diese Manuskripte keine Veröffentlichung wert sind. Die Verlage schaffen es schlichtweg nicht, die Einreichungen allesamt zu sichten. Die Chancen, als neuer unbekannter Autor in das Programm eines traditionellen Verlags aufgenommen zu werden, sind also äußerst gering.“ Vor diesem Hintergrund ist es für AutorInnen verlockend, das eigene Buch sofort veröffentlichen zu können, dabei höhere Provisionen zu erzielen als bei traditionellen Verlagen, an der Umschlaggestaltung beteiligt zu sein und den Verkaufspreis des Buches selbst festlegen zu können. „Grundsätzlich kann heute jeder jederzeit ein Buch veröffentlichen“, stellt Schulz fest. Wodurch die Frage, warum jede und jeder jederzeit ein Buch veröffentlichen können sollte, natürlich noch lange nicht beantwortet ist. Aber das ist eine andere Geschichte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei tredition erschienene Bücher erhalten auch eine ISBN-Nummer, was ihre Auffindbarkeit gewährleistet. tredition betreibt auch aktiv Marketing: Für jedes Buch wird eine individuelle Pressemitteilung an Nachrichtenportale und Newsticker versendet, wird eine Suchmaschinenoptimierung vorgenommen, die Bücher werden auf der Frankfurter Buchmesse ausgestellt, und JournalistInnen erhalten kostenfreie Rezensionsexemplare.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;AUF EIGENE FAUST.&lt;/strong&gt; Wer seine oder ihre Texte, Fotos, Musik, Comics und anderes einfach unter die Leute bringen will, kann das heutzutage aber im Grunde genommen auch ohne einen Self-Publishing-Verlag tun. Schier unendlich sind die Möglichkeiten: ein Blog, eine eigene Homepage, Facebook, SoundCloud, WordPress – um nur die wichtigsten Plattformen zu nennen. Unabhängig und flexibel ist, wer auf diese Weise publiziert, aber zugleich stellt sich die Frage nach der finanziellen Vergütung sowie nach der Sichtbarkeit auf einem Markt, auf dem in erster Linie Anerkennung und „symbolisches Kapital“ akkumuliert und gehandelt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;„Bildet Banden“, rät Eva Schörkhuber, freie Autorin, Lehrende, Lektorin und Redakteurin, jungen Kunstschaffenden. Alternative Distributionswege, etwa gemeinsam betriebene Plattformen, können helfen, die Abhängigkeit von gewachsenen Institutionen und Mechanismen zu verringern und sich in der Verlagslandschaft mit mehr Selbstbewusstsein zu behaupten: „Bei der Zusammenarbeit mit Verlagen ist es, finde ich, wichtig, sich nicht als Bittsteller_in zu begreifen, der oder die unter allen Umständen dankbar sein muss, dass die eigenen Arbeiten publiziert werden.“&lt;br /&gt;&lt;img alt=&quot;Illustration: Anna Diem&quot; title=&quot;Illustration: Anna Diem&quot;   style=&quot;line-height: 1.538em;&quot; class=&quot;media-element file-default&quot; typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/selfpublishing3_2.jpg?itok=tf5EjZah&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KORREKTORAT, LEKTORAT?&lt;/strong&gt; Das Lektorat ist definitiv ein Aspekt, der Self-Publishing von herkömmlichen Publikationsmethoden unterscheidet. Bei tredition etwa gibt es zwar eine „Qualitätsprüfung“ und AutorInnen haben die Möglichkeit, auf ein „ExpertInnen-Netzwerk“ von LektorInnen, KorrektorInnen, IllustratorInnen und ÜbersetzerInnen zurückzugreifen. Aber schlussendlich liegt es in der Verantwortung der/s AutorIn, das Endprodukt in einer entsprechenden Form abzuliefern. Schulz dazu: „Autoren müssen sich bewusst sein, dass eine professionelle Umsetzung ihres Buchprojektes, also einwandfreie Rechtschreibung und Grammatik, professionelles Cover, aussagekräftiger Rückentext und so weiter die Grundvoraussetzung für jegliche Verkaufschance ist.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eva Schörkhuber, die den Prozess der Textproduktion aus verschiedenen Blickwinkeln kennt, ist überzeugt, dass es Texten – literarischen, journalistischen und wissenschaftlichen – gut tut, wenn sie von mehreren Menschen gelesen, diskutiert und begleitet werden. „Ein seriöses, ausführliches Lektorat macht genau das – den Text zu begleiten“, erklärt sie und fügt hinzu: „Lektorieren heißt eben nicht, bei einem fertigen Manuskript den Rotstift anzusetzen, zu streichen und zu korrigieren, sondern sich über den Text auszutauschen, Stärken und Schwächen zu besprechen, und das auf- und ausatmen zu lassen, was in den solitären Schreibstunden produziert wurde.“ Leider führe Zeitmangel dazu, dass auch in klassischen Verlagen inzwischen eher Korrektorate als Lektorate durchgeführt würden. Schörkhuber betont aber, dass ein Lektorat auch in selbstorganisierter Form, also in Lesekreisen oder Leseforen, stattfinden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie sieht es mit dem Publikum aus? Kann sich einE Self-PublisherIn sein oder ihr eigenes Publikum „heranzüchten“? Nur bedingt. Schörkhuber warnt vor Allmachtphantasien selbstpublizierender AutorInnen: „Nur weil meine Texte jetzt online sind, heißt das noch lange nicht, dass sie gefunden, wahrgenommen und gelesen werden. Ich werde mich auch als Self-Publisher oder Self-Publisherin auf verschiedene Weisen vernetzen müssen, um sichtbar zu werden, zu sein, zu bleiben.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die junge, mehrfach ausgezeichnete Fotografin Mafalda Rakoš berichtet, dass selbst publiziertes Material eher ein spezialisiertes LiebhaberInnen-Publikum anspricht als die breite Masse: „Schon allein durch die Anzahl – meistens bewegt sich ein Fotobuch zwischen 50 und 900 Stück, wenn es selbst gemacht ist. Ein Verlag produziert sicher auflagenstärker.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Comiczeichnerin und Self-Publisherin &lt;a href=&quot;http://annaheger.wordpress.com&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Anna Heger&lt;/a&gt; schätzt den unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum: „Ich habe das Gefühl, dass ich steuern kann, welches Publikum ich erreiche. Natürlich nicht zu 100 Prozent, aber mit Self-Publishing komme ich in Kontakt mit Leuten, die feministisch oder queer sind, oder was auch immer zu mir passt. Das ist ein Publikum, das ich ansonsten so gar nicht gezielt finden könnte.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Kontrolle über den gesamten Prozess der Veröffentlichung zu haben, ist für Anna Heger eine gute Sache. Sie veröffentlicht ihre Comics auf einem Blog, druckt sie selbst aus und faltet sie per Hand zu kondomgroßen Heftchen: „Die Vorteile beim Selberpublizieren liegen darin, dass ich über jeden Schritt Kontrolle habe. Ich kann etwas ausprobieren und sehen, ob und wie es funktioniert. Im direkten Austausch mit Leser_innen merke ich, wie sie ticken und was sie an meinen Comics interessiert.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;KRAMPFIGE VERSCHRÄNKUNG.&lt;/strong&gt; Mafalda Rakoš kennt auch die Schattenseiten dieser Gestaltungsfreiheit: „Du kannst alles selbst machen, schön und gut – trotzdem: Es ist deine Zeit, dein Geld, dein Risiko. Dass Fotograf_innen ihr Projekt quasi von Anfang bis Ende selbst betreuen und nicht am Ende ‚abgeben’, kann oft zu sehr krampfartigen Verschränkungen mit der Arbeit führen. Der Erfolg danach ist zwar umso toller, aber auch für emotionalen Abstand und Pausen bist du allein verantwortlich. Freund_innen und Eltern müssen herhalten. Das ist Schweiß und harte Arbeit.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch Schörkhuber gibt zu bedenken, dass die Eigenverantwortlichkeit einen Haken haben kann: „Das Gefühl, alle Entscheidungen absolut eigenmächtig treffen zu müssen, kann auch eine Falle sein. Begreife ich mich als absolut ‚frei‘ in all meinen Publikationsentscheidungen, werde ich mich für alles verantwortlich fühlen und auch verantwortlich machen – sowohl für einen Erfolg als auch für ein Scheitern. Ich denke, dieses Pendeln zwischen Allmachtphantasien bei Erfolg und Selbstvorwürfen bei Niederlagen paralysiert.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oft muss es aber gar keine Entweder-oder-Entscheidung sein. Konventionelle Publikationswege und neue Möglichkeiten zur Verbreitung von Inhalten können sich auch ergänzen. Gemeinhin würde man annehmen, dass jene AutorInnen auf Self-Publishing zurückgreifen, die bei keinem Verlag unterkommen konnten. Zumindest eine berühmte Ausnahme gibt es aber: Elfriede Jelinek, die es sich seit dem Nobelpreis leisten kann, auf den von ihr als „extrem korrupt“ und „nepotistisch“ kritisierten deutschsprachigen Literaturbetrieb zu verzichten: „Wenn ich im Netz veröffentliche, dann gehört der Text mir, und er bleibt es auch. Gleichzeitig hat jeder darauf Zugriff, der will“, sagte Jelinek in einem Interview mit &lt;em&gt;fiktion.cc&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein Problem wird jedoch auch durch noch so niederschwelliges Self-Publishing nicht zu lösen sein, nämlich die Frage, wer denn noch, wie Michael Endes kleine Momo „mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme“, zu lesen und zuzuhören vermag, wenn alle damit beschäftigt sind, selbst zu publizieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Mascha Dabić hat Translationswissenschaft (Englisch und Russisch) fertig und Politikwissenschaft fast fertig studiert und unterrichtet Russisch-Dolmetschen an den Universitäten Wien und Innsbruck.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Thu, 26 Mar 2015 07:36:14 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Carla</dc:creator>
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 <title>„Er macht blabla, sie macht haha“ </title>
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 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-images field-type-image field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div id=&quot;file-1727&quot; class=&quot;file file-image file-image-jpeg&quot;&gt;

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&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;Im Jahr 2007 feierte die österreichische Kabarettistin und Schauspielerin Nadja Maleh mit ihrem ersten Soloprogramm „Flugangsthasen“ in Wien Premiere. Drei Jahre später wurde der gebürtigen Wienerin der Österreichische Kabarettpreis verliehen. Heuer steht sie mit ihrem vierten Programm „Placebo“ abermals auf der Bühne. progress hat mit der Künstlerin über Sexismus, Humor und ihr neues Programm gesprochen.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;progress&lt;/em&gt;: Warum gibt es im Kabarett deutlich weniger Frauen als Männer?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nadja Maleh: &lt;/strong&gt;Das Ungleichgewicht ist meiner Meinung nach eine Folge unserer klassischen Rollenaufteilung. Die ist zwar heute im Wandel, aber alte Muster sind dennoch stark. Im Kabarett lässt sich das so skizzieren: Er sagt etwas Lustiges, sie lacht. Er ist aktiv, sie ist passiv. Er macht „blabla“, sie macht „haha“. Schon junge Mädchen wurden und werden noch immer dazu erzogen zu harmonisieren, anstatt zu polarisieren. Letzteres blieb seit jeher den Männern überlassen. Aber im Kabarett geht es darum Tabus zu brechen, laut zu sein und auch den Mut zu haben Hässlichkeit zu zeigen. Das fällt einerseits manchmal Frauen schwer und andererseits haben manche Männer ein Problem mit Frauen, die die scheinbar natürlichen Verhältnisse in Unordnung bringen wollen. Natürlich kann es als Frau oft auch sehr ermüdend und anstrengend sein, andauernd gegen tradierte Altherren-Vorurteile anzukämpfen. Kein Wunder also, dass nicht so viele Ladies Lust darauf haben. Aber glücklicherweise werden wir Kabarettistinnen immer mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Sehr hartnäckig hält sich das Stereotyp, dass Frauen weniger Humor als Männer hätten. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das stimmt natürlich nicht. Frauen und Männer haben ohne Frage gleich viel Humor. Auch wenn es da und dort gewiss weniger humorvolle Exemplare gibt. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Woher kommt dann diese Vorstellung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Humor war in der westlichen Welt nie ein typisch weiblicher Wert, über den sich eine Frau zu definieren hatte. Daher kommen auch solche Behauptungen, dass Frauen weniger Humor hätten als Männer. Schönheit, Sanftheit und Mitgefühl sind hingegen Eigenschaften, die oft Frauen zugeschrieben werden und somit auch jene Charakteristika, mit denen sich Frauen wiederum selbst definieren. Humor ist aber nicht immer gleich Humor. Da gibt es sehr wohl Unterschiede, die wir auch in Bezug auf Mann und Frau attestieren können: Zum Beispiel haben Untersuchungen gezeigt, dass Frauen eher dazu tendieren über sich selbst zu lachen. Männer hingegen machen vermehrt Witze über andere. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Sexismus im Kabarett?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sexismus hat immer etwas mit Ungleichheit und mit dem sozialen Status zu tun. Das Kabarett soll als Spiegel unserer Gesellschaft verstanden werden. Und in der herrscht eben genau diese Ungleichheit. Wenn wir darüber lachen, ist das sicherlich zugleich auch eine Form der unbeschwerten Reflexion darüber. Über die sogenannten „Schwächeren“ zu lachen, war eben immer schon ein Leichtes. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Wurden Sie schon einmal in ihrem Arbeitsbereich sexistisch behandelt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, da gab es zum Beispiel einmal einen Veranstalter, der von einer Agentur Kabarett-Vorschläge einholte. Als ich ihm vorgeschlagen wurde, war seine Antwort: „A Frau!? Naaa, wir wollen was Lustiges!“&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Sind also sexistische Witze vor allem bei männlichen Kollegen beliebt? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich jetzt so überlege, dann muss ich ehrlich sagen, dass mir kaum ein Kollege einfällt, der sich in erster Linie sexistischer Witze und Nummern bedient. Und wenn doch einmal, dann kommt das meistens nur bei einem bestimmten Publikum gut an. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Womit wir bei den Zuschauer_innen wären. Wer lacht überhaupt? Über wen wird gelacht? Und gibt es Grenzen des Humors?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beim Kabarett soll jeder und jede das Recht haben, lachen zu dürfen. Es soll im Gegenzug aber auch über jeden und jede gelacht werden können. Natürlich gibt es Grenzen. Aber diese Grenzen hat jeder Kabarettist und jede Kabarettistin für sich selbst zu wählen. Ein Mindestmaß an Respekt sollte meiner Meinung nach auch im Kabarett niemals fehlen. Wir leben in einer Gesellschaft in der Gedankenfreiheit, Witzefreiheit und darstellerische Freiheit existieren und propagiert werden. Wo die individuelle Barriere erreicht ist, muss der Künstler oder die Künstlerin innerhalb seines und ihres ganz persönlichen ethischen und künstlerischen Rahmens herausfinden. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Wie definieren Sie diesen Respekt und welche Art von Humor grenzt aus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt Humor, der zerstörerisch ist, menschenfeindlich oder sogar dumm. Das ist eine Form, die für mich ausgrenzend ist. Auch Humor auf Kosten von jemandes Unzulänglichkeiten, für die er oder sie nichts kann, zählt für mich dazu. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Im Februar fand die Premiere ihres neuen Programms „Placebo“ statt. Wie wichtig sind Klischees? Bedienen Sie sich selbst frauenfeindlicher Witze?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir alle erkennen uns und das Leben in Klischees. Sie sind wie der kleinste gemeinsame Nenner unserer Gesellschaft. Im Kabarett wird natürlich immer mit Klischees gespielt. Das ist ein Muss. Im besten Fall aber werden sie neu beleuchtet und erweitert. Für mich tritt Kabarett Frauen und Männern und allen übrigen Klischees gleich fest auf die Zehen.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;em&gt;Anne Schinko studiert Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Wien.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Wed, 25 Mar 2015 17:58:17 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Bianca</dc:creator>
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 <title>„Mit ich trau’ mich nicht komm’ ich nicht weit“</title>
 <link>https://progress-online.at/artikel/%E2%80%9Emit-ich-trau%E2%80%99-mich-nicht-komm%E2%80%99-ich-nicht-weit%E2%80%9C</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-images field-type-image field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div id=&quot;file-1683&quot; class=&quot;file file-image file-image-jpeg&quot;&gt;

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&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;Mit 15 stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. Vier Jahre später slammte sich Yasmin Hafedh, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, als erste Frau ins Finale der&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=%85sterreichische_Poetry-Slam-Meisterschaft&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot;&gt; &lt;/a&gt;österreichischen Poetry-Slam-Meisterschaften. Im Interview mit progress diskutiert die 24-Jährige über Gleichberechtigung in einer Männerdomäne, Zweifel an der eigenen Karriere und die politische Dimension ihrer Musik. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;progress&lt;/em&gt;: In „Kein Platz für Zweifel“ singst du „mit ich trau’ mich nicht komm’ ich nicht weit“. Was ist die Intention dahinter?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;Yasmo: Die Idee dahinter ist, Zweifeln und Unsicherheiten mit Dreistigkeit zu begegnen. Es soll ein Arschttritt sein, aber auch zeigen, dass Motivation und Mut zusammengehören. Mit dem Lied will ich dem berühmten „Nein, ich trau’ mich nicht“ entgegentreten.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Bei einem deiner ersten Hip-Hop Battles bist du nach fünf Minuten gegangen, weil du Angst bekommen hast. Wie hast du das Gefühl überwunden?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;Mit 14 habe ich, inspiriert von Schiller, begonnen mit Sprache zu spielen und angefangen Rap zu hören. Bei meinem zweiten Hip-Hop Freestyle waren viele große Männer mit Kappen und breiten Schultern, die pure Aggression ausgestrahlt haben. Ich wollte mir das anschauen wie eine Museumsausstellung, bin aber gleich wieder gegangen. Beim Slam sind die Poeten nicht mit ausgestreckten Ellbogen unterwegs. Zu rappen habe ich später im kleinen Kreis begonnen, unter zehn Männern, die respektvoll waren und aus der linken Szene gekommen sind. Ich war immer die einzige Frau und alle anderen erwachsen. Das Rappen im geschützten Raum hat mir geholfen heute mit herausgestreckter Brust Hip-Hoppern zu sagen, dass ich ihr Dissen und Batteln einfach scheiße finde.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Wo und wie bist du als Frau in der Männerdomäne Hip-Hop auf Widerstand gestoßen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;Immer wieder sind kiffende Typen Backstage, die mich fragen wessen Freundin ich sei. Da antworte ich, dass ich die Headlinerin bin und denke mir nur: „Fick dich!“ Als mich ein Typ auf ein Getränk einladen wollte und ich ablehnte, sagte er: „Mädel, das ist ja schön und gut was du machst, aber Rap ist immer noch Männersache.“ Dieses Denken spiegelt sich in der Szene wieder. In Österreich gibt es nur drei bekannte Frauen, die rappen: Mieze Medusa, Nora MC und ich.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;img alt=&quot;Foto: Andreas Eymannsberger &quot; title=&quot;Foto: Andreas Eymannsberger &quot;   class=&quot;media-element file-default&quot; typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/yasmo1.jpg?itok=uS33Ds8H&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Gewisse Verhaltensweisen werden Frauen von klein auf anerzogen. War das in deiner Familie auch der Fall? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich bin in einer fortschrittlichen Familie aufgewachsen. Meine Mutter war selbstständig und ist das, was man vermutlich unter einer „starken Frau“ versteht. Obwohl mein Papa in Indonesien, einem noch viel patriarchalischerem Land als Österreich, aufgewachsen ist, hat er wohl schnell gelernt, dass er auch kochen und putzen muss (lacht). Feminismus habe ich erst viel später von außen kennen gelernt. Ich habe mich ehrlich gesagt zuvor nie gewundert, warum so wenige Frauen auf der Bühne stehen. &lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Wie nimmst du feministische Bestrebungen in Österreich wahr? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Österreich gibt es Feminismus, aber wie überall auf der Welt nur in kleinen Szenen. Gleichberechtigung fängt nicht mit 24 in einem Interview an, sondern bei der Erziehung. Von Anfang an wird man in eine Schublade gesteckt, in der man bleibt, bis man beginnt alleine zu denken und an der Uni „Gender Studies“-Vorlesungen besucht.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Du engagierst dich auch gegen Rechts, richtig? &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;Meine antifaschistische Einstellung äußert sich in meinen Texten und ich trete bei Soli-Konzerten auf. Ich gehe auf Demos und kann sagen, dass die Repression in Wien ein Wahnsinn ist. Die Wiener Bevölkerung zahlt ihre Steuern für die Hypo und die Polizei, der Rest von Österreich nur für die Hypo (lacht). Bedachter Protest und Widerstand sind unglaublich wichtig, aber es darf nicht zu einem plumpen Phrasengedresche werden. Demonstrieren ist ein politischer Akt, dabei muss man so handeln, wie man es von politischen Vertreter_innen erwartet.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Mal trittst du als politische, kritische Yasmo auf, dann wieder als arrogante, glamouröse Miss Lead. Woher kommen diese Rollen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Generell schlüpft man die ganze Zeit in Rollen. Rede ich mit meiner Mama, bin ich in einer Rolle und rede ich mit dir, bin ich in einer Rolle. Alle zusammen machen einen wie Puzzleteile zu einem Ganzen. Bei Auftritten wechsel ich gerne zwischen beiden Charakteren, da kann es auch zu einem Outfitwechsel kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;Entscheidet man sich für diese Rollen immer selbst oder wird man teilweise hineingedrängt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich lass mich nicht in eine Schublade stecken: Ich, Yasmin Hafedh, bin politisch, antisexistisch, ein bisschen links, nachdenkend und lese gerne Bücher. Das alles ist in Yasmo stark zu spüren. Ich bin aber auch hin und wieder grantig und will unhöflich sein. Dafür ist Miss Lead da. Außerdem ist diese Figur praktisch, wenn ich etwas Dummes anstelle. Ich kann ihr die Schuld daran geben (lacht).&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt;&lt;strong&gt;In „Kunst y’all“ rappst du: „Frag nicht ob ich davon leben kann, ich leb’ dafür“ und, dass du „Kultur ohne Industrie“ leistest. Wie schiebt man seine Unsicherheiten beiseite um seine Träume zu verwirklichen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich stecke viel Zeit in unbezahlte Kulturarbeit. Poetry Slam wird der „Untergrundkultur“ zugerechnet, weil man eben nicht im Burgtheater auftritt. Kunst ist aber etwas wert, weil ich für einen Auftritt meine Zeit hergebe. Das wird in Österreich leider oft vergessen. Zurzeit kann ich von meinem Traum leben, wenn es nicht mehr funktioniert, gehe ich halt kellnern. Es gibt einen Unterschied zwischen „einen Job machen“ und „einen Beruf haben“. Bei einem Beruf glaubt man, dafür berufen zu sein. Einen Traum kann man schwer halb leben. Neben einem 9-to-5-Job, den du für die Miete brauchst, ist es schwer, mitten in der Nacht Ideen aufzuschreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p dir=&quot;ltr&quot;&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Sara Noémie Plassnig studiert Journalismus und Public Relations an der FH JOANNEUM in Graz.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;  &lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Mon, 16 Mar 2015 12:57:22 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Bianca</dc:creator>
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 <title>fantastiques Festival</title>
 <link>https://progress-online.at/artikel/fantastiques-festival</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-images field-type-image field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div id=&quot;file-1657&quot; class=&quot;file file-image file-image-jpeg&quot;&gt;

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&lt;/p&gt;&lt;p&gt;_tastique: Wir haben uns dagegen entschieden die Veranstaltung wieder Ladyfest zu nennen, weil wir den Begriff „Lady“ problematisch finden. Dazu und mit dem Konzept „Ladyfest“ gab es im Vorfeld eine lange Auseinandersetzung. Im Brainstorming meinteeine Person, dass „tastique“ eigentlich nett klingt und mit Unterstrich ein offener Begriff sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ihr schreibt auf eurer Website, dass ihr Ideen und Anliegen habt, die ihr gemeinsam umsetzen wollt – welche sind das?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Ideen und Anliegen haben sich zu vier thematischen Schwerpunkten herauskristallisiert – Antirassismus, Antiableismus, Body-Positivity und Sex-Positivity. Wair haben versucht, Vorkommnisse oder Themen, die uns gerade in Bezug auf die queer-feministische Szene in Wien wichtig erscheinen, aufzugreifen. Vor allem wollten wir Ausschlüsse, die wir wahrgenommen haben, problematisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie setzt ihr die thematischen Schwerpunkte praktisch um?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir versuchen das auf mehreren Ebenen. Zum einen spiegelt sich das im Programm durch die Auswahl an Workshops, Filmen und Bands wider. Darüber hinaus haben wir ein Awareness-Team, welches am Festival dafür sorgt, dass es keine Übergriffe gibt. Wir erwarten auch von unserem Publikum, dass es Verantwortung trägt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie verbindet ihr den Anspruch Politisches zu vermitteln und gleichzeitig Partys zu veranstalten?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich sehe da ehrlich gesagt gar keinen Widerspruch. Für mich können Partys natürlich auch politisch sein. Ich finde es einen guten Weg, Inhalte rüberzubringen. Das kann durch Raumgestaltung, durch Aufeinander-Aufpassen, durch die Vermittlung von Inhalten, durch Texte oder durch die Repräsentation, also wer auf der Bühne steht, passieren. Das ist nicht ganz einfach, klar. Denn wir können nie alles berücksichtigen, und haben wahrscheinlich immer was übersehen oder es ist sich etwas nicht ausgegangen. Insgesamt ist Party aber durchaus ein wichtiges politisches Tool und ich glaube die Kombination mit Workshops funktioniert gut. Also zuerst Workshops und dann Party – ist ja perfekt. &lt;i&gt;(lacht)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was hat sich seit dem ersten Wiener Ladyfest 2004 in der queer-feministischen Szene verändert?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich würde sagen, dass es zu einer Politisierung und zu einer stärkeren Vernetzung gekommen ist. Es ist außerdem relativ neu, dass es bei _tastique keinen offenen Call für Beiträge, Workshops, Bands, und so weiter gibt. Wir haben das Festival quasi selbst programmiert, gezielt Leute eingeladen und damit mehr Kontrolle und Verantwortung übernommen. 2004 kamen die Fragen auf, warum das Kollektiv so homogen ist, wer überhaupt Ressourcen hat so was zu organisieren und warum Themen wie Antirassismus nur marginal vorkommen. Wir haben daraus viel gelernt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie macht sich das bei &lt;i&gt;_tastique&lt;/i&gt; bemerkbar?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir versuchen, bestimmte Themen durch das ganze Programm durchzuziehen und sie sichtbar zu machen. Der queer-feministische Anspruch ist natürlich in vielen anderen Festivals auch drin, aber der Rest ist oft implizit „mitgemeint“. Das klappt in vielen Fällen nicht. Wir haben uns dem gestellt und uns gefragt: Was müssen wir tun, damit wir diesen wahnsinnig hohen Ansprüchen gerecht werden? Also ein body-positives, sex-positives, antiableistisches, antirassistisches Festival zu organisieren. Da haben wir uns ziemlich steile Ansprüche gestellt, an denen man nur scheitern kann. &lt;i&gt;(lacht)&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Welche Probleme ergeben sich bei der Finanzierung?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist eine brenzlige Frage. Wir wollen unsere Unabhängigkeit wahren, wir wollen keine fetten Logos, wir wollen nicht vereinnahmt werden. Gleichzeitig müssen wir Reisekosten bezahlen und den Workshopleitenden, den Bands zumindest kleine Honorare zahlen. Das läppert sich ganz schön zusammen – wir rechnen damit, dass wir die nächsten fünf Jahre Solipartys veranstalten müssen, um das Ganze wieder reinzukriegen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Welche Öffentlichkeit wollt ihr mit _tastique erreichen?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich finde es immer recht illusorisch zu glauben, dass es weit über die vorgetretenen Trampelpfade geht – auch wenn das schön wäre. Also im Idealfall erreichen wir Communities, die im Moment eher vereinzelt agieren. Die Minimalvariante wäre, innerhalb der queer-feministischen Szene Wiens, die eine recht akademische und Weiße Szene ist, Bewusstsein für bestimmte Themen zu schaffen, die wir versucht haben zu forcieren. Ich fände es trotzdem schön und wichtig, wenn es über die kleine Szene hinausschwappen und neue Netzwerke entstehen würden – mal schauen ob das funktioniert und wer dann tatsächlich auftaucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was hoffst du, bleibt vom Festival? Habt ihr eine Fortsetzung geplant?&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich werde ganz bestimmt die nächsten zehn Jahre nichts mehr in der Form machen. &lt;i&gt;(lacht) &lt;/i&gt;Aber ich fände es super, wenn Leute das aufgreifen und weiterentwickeln. Es wird sicher viel zu kritisieren geben, viel zu diskutieren und das ist auch extrem wichtig. Aber ich glaube schon, dass Ladyfeste eine nachhaltige Wirkung hatten auf die Szene, auf Netzwerke, auf Freundschaften. Da ist echt sehr viel im Umfeld und auch danach entstanden und das erhoffe ich mir für _tastique auch. Wir haben Rampenbau-Workshops im Vorfeld des Festivals gemacht – diese Rampen sind da, die sind nutzbar für Orte die sonst nicht zugänglich für Rollstühle sind. Das ist auf alle Fälle was Nachhaltiges und Materielles. Und da kommt sicher noch mehr.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Infos&lt;/strong&gt;:&lt;br /&gt;5.-8. März in Wien&lt;br /&gt;Konzerte, Workshops, Flit*sexparty, Performances, Screenings, Lesungen, Austellungen und und und…&lt;br /&gt;Programm und Anmeldung: &lt;a href=&quot;http://tastique.me&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;http://tastique.me&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sonja Luksik studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Wed, 25 Feb 2015 19:21:56 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Carla</dc:creator>
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 <title>Kohle fürs Kino</title>
 <link>https://progress-online.at/artikel/kohle-f%C3%BCrs-kino</link>
 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-images field-type-image field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div id=&quot;file-1622&quot; class=&quot;file file-image file-image-jpeg&quot;&gt;

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&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-autor-in field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-label&quot;&gt;AutorInnen:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/autorinnen/julia-beirer&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;Julia Beirer&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-tags field-type-taxonomy-term-reference field-label-inline clearfix&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-label&quot;&gt;Tags:&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/tags/unterhaltung&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;Unterhaltung&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/tags/medien&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;Medien&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/tags/kino&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;Kino&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field-item odd&quot;&gt;&lt;a href=&quot;/tags/viennale&quot; typeof=&quot;skos:Concept&quot; property=&quot;rdfs:label skos:prefLabel&quot; datatype=&quot;&quot;&gt;Viennale&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-shariff field-type-shariff field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div class=&quot;shariff&quot;  data-services=&quot;[&amp;quot;twitter&amp;quot;,&amp;quot;facebook&amp;quot;]&quot; data-theme=&quot;colored&quot; data-orientation=&quot;horizontal&quot; data-lang=&quot;de&quot; data-url=&quot;https://progress-online.at/artikel/kohle-f%C3%BCrs-kino&quot;&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-body field-type-text-with-summary field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot; property=&quot;content:encoded&quot;&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;106 Jahre Kinogeschichte haben die Breitenseer Lichtspiele. 46 davon kann Anna Nitsch-Fitz erzählen. So lange betreibt die 77-Jährige nämlich das Kino in Penzing. Obwohl es sich schon lange nicht mehr rechnet, macht sie weiter.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;progress&lt;/em&gt;: Sie betreiben das Kino Breitenseer Lichtspiele seit über vier Jahrzehnten. Woher kommt diese große Leidenschaft für das Kino? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Anna Nitsch-Fitz:&lt;/strong&gt; Meine Großmutter hatte das Nußdorfer Kino in der Heiligenstädterstraße 161 in Wien und ich war schon in meiner Kindheit begeistert vom Kino. Später durfte ich dann auch mithelfen und die Karten abreißen oder die Kassa machen, wenn die Kassiererin krank war. Meine Großmutter ist 1967 verstorben und hat das Kino meinem Vater vererbt. Ich habe es aber geführt und mich um die Filme gekümmert. Zwei Jahre später hat er das Kino zugesperrt, weil er das Gefühl hatte, dass es sich nicht mehr rentieren würde. Nach einigen kinolosen Monaten habe ich mich dann auf die Suche nach einem neuen Kino gemacht und die Breitenseer Lichtspiele entdeckt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie das Kino dann gleich gemietet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, es war mir anfangs zu klein. Das Kino meiner Großmutter hatte 483 Plätze und die Breitenseer Lichtspiele nur 206. Mittlerweile sind wir auf 168 Plätze zurückgegangen. Es sind immer noch dieselben Kinosessel wie damals.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Filme spielen Sie? Haben Sie besondere Kriterien bei der Auswahl?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe immer 16 bis 20 Filme im Programm, die sieben Wochen laufen. Das Kino ist täglich geöffnet. Derzeit sind Familienfilme, österreichische Filme und Arthouse-Filme dabei. Es ist mir wichtig, dass immer wieder alte Filme laufen. Die BesucherInnen sind ja auch im ältesten Kino der Stadt. Aber ich möchte einen Mix aus allem machen. Ich zeige auch gerne die Arbeiten von JungfilmerInnen. Bei der Auswahl gibt es keine besonderen Kriterien. Ich schaue mir die Filme vorher an und entscheide dann, ob wir sie ins Programm nehmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie einen Lieblingsfilm?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, „La Strada“ von Frederico Fellini ist mein absoluter Lieblingsfilm. Den habe ich hier schon sehr oft gespielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sie sagen, die Breitenseer Lichtspiele seien das älteste Kino in Wien. Seit wann existieren sie denn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;1905 hat die Familie Guggenberger begonnen Filme zu zeigen. Damals noch in einem Zeltkino, das von Bauplatz zu Bauplatz gezogen ist.Das Haus, in dem wir jetzt sind, ist 1909 gebaut worden und die Familie Guggenheimer ist hier mit dem Kino eingezogen. Ich selbst habe es dann 1969 übernommen.Seither sind 46 Jahre vergangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was hat sich verändert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Digitalisierung der Filme hat begonnen und es gibt keine 35mm-Filme mehr. Das ist sehr schade, weil ich Filme aus der Retrospektive von Sophia Lauren und Michael Haneke nicht mehr spielen kann. Diese Abende habe ich besonders gern veranstaltet und es war auch immer ein bestimmtes Publikum da, das jetzt nicht mehr kommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welches Publikum kommt hierher?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es kommt immer darauf an, welcher Film gespielt wird. Eigentlich kommen alle Altersklassen. Die jüngsten KinobesucherInnen sind vier Jahre alt, die kommen dann meistens mit ihren Großeltern. Es kommen Leute aus dem Grätzel, aber auch aus den anderen Bezirken Wiens. Wir haben sogar einen Kinobesucher aus Oberösterreich, der hierher ins Kino kommt, wenn er in Wien ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie viele BesucherInnen haben Sie pro Woche?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist schwer zu sagen. Es kommt auf die Filme an. Bei einem guten Film können schon an die 15 BesucherInnen pro Woche kommen. Aber meine Ausgaben kann ich damit nicht abdecken. Ich zahle 1.500 Euro monatlich von meiner privaten Pension in das Kino, um alle Kosten zu begleichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bekommen Sie finanzielle Unterstützung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, ich bekomme jährlich 10.000 Euro vom Filmfonds Wien. Die Auflage dafür ist, dass ich 250 Spieltage im Jahr vorweisen muss. Normalerweise ist das kein Problem, aber letzten Sommer hätte ich fast zusperren müssen. Das Magistrat hat mir gesagt, dass ich alle Kabel erneuern müsse und das hat 25.000 Euro gekostet. Die ArbeiterInnen haben das in zwei Wochen erledigt, denn wenn ich länger zugesperrt hätte, dann hätte ich die 250 Spieltage nicht mehr zusammen bekommen und die Auflage für die Förderungdes Filmfonds nicht mehr erfüllt. Ich musste mein Konto um 10.000 Euro überziehen, um alles finanzieren zu können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie stecken also sehr viel von ihrem eigenen Kapital in die Breitenseer Lichtspiele. Lohnt es sich totzdem?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, weil es mir so viel Spaß macht das Kino zu betreiben (lacht).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was sagen Sie zur geplanten Steuererhöhung für Kinotickets?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das finde ich furchtbar. Wenn das wirklich kommen sollte, dann wäre das ein Wahnsinn. Mich selbst betrifft es nicht, weil die Breitenseer Lichtspiele vom Finanzamt als Liebhaberei eingestuft werden. Das bedeutet, dass ich keine Mehrwertsteuer zahlen muss und auch keine Vorsteuer abschreiben kann. Aber für die KinobetreiberInnen wäre das natürlich eine Katastrophe, wenn sich die Mehrwertsteuer von zehn auf zwanzig Prozent erhöht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum nehmen Sie nicht an der Viennale teil?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich schon mindestens fünf Mal beworben, aber ich wurde bis jetzt immer abgelehnt. Ich weiß auch nicht warum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was wünschen Sie sich für die Zukunft?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich würde mir wünschen bei der Viennale mitmachen zu dürfen. Dann wären meine Kosten für das ganze Jahr in den paar Wochen gedeckt und ich wäre aus dem Schneider. Außerdem versuche ich schon länger das Kino unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Ich habe öfter mit BeamtInnen des Magistrats gesprochen, aber es scheint, als hätten sie kein besonderes Interesse daran. Das ist wirklich schade, denn immerhin sind die Breitenseer Lichtspiele das älteste Kino in Wien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Julia Beirer studiert Journalismus und Neue Medien an der FH Wien.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Thu, 05 Feb 2015 07:00:00 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Olja</dc:creator>
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 <title>Prime Time Forever</title>
 <link>https://progress-online.at/artikel/prime-time-forever</link>
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&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;progress:&lt;/em&gt; Warum machen Serien so süchtig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Christian Stiegler: &lt;/strong&gt;Es sind vor allem die dramaturgischen Elemente, die süchtig machen. Wenn eine Episode mit einem Cliffhanger aufhört, dann bleibt man dabei. Außerdem mögen wir die Wiederholung und episodenhaftes Erzählen. Es gibt uns eine gewisse Sicherheit, die Charaktere zu kennen, wir entwickeln eine Beziehung zu ihnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was für einen Stellenwert nehmen Serien im Leben der Rezipient_innen ein? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich sage immer, im besten Fall schaffen sie eine eigene Medienrealität. Baudrillard hat Hyperrealität dazu gesagt, also eine Realität, die wichtiger ist als die eigene Wirklichkeit.So funktioniert Disneyland, so funktioniert Fußball, so funktionieren all diese Geschichten, die für uns wichtig bleiben, obwohl wir schon ausgeschaltet haben. Wenn Serien gut gemacht sind, dann leisten sie genau das, entweder weil sie Themen bearbeiten, die so weit weg von uns sind, dass sie zu einer Realitätsflucht werden, oder weil sie uns persönlich ansprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Funktioniert die Serie als Fluchtmittel besser als ein Kinofilm?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Natürlich! Es ist viel mehr Zeit zu erzählen, das eröffnet Möglichkeiten, stärker in die Charaktere einzusteigen und ihnen größere Aufmerksamkeit zu widmen. Außerdem kann man sie daheim ansehen und kann so gleich eine ganze Staffel, die mehrere Stunden dauert, anschauen. Das ist das perfekte Mittel zur Alltagsflucht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das ist dann das berühmte Bingewatching.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Begriff bezieht sich darauf, dass man den üblichen Episoden-Ablauf zerstört, indem man individuell entscheidet, wann man eine Serie ansieht und wie viel davon. Wir sind nicht mehr abhängig davon, dass eine Serie zu einer gewissen Uhrzeit auf einem bestimmten Sender läuft. Genau das hat Netflix mit „House of Cards“ so populär gemacht: Es war revolutionär, als sie gleich die ganze Staffel auf einmal online gestellt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie hat sich die Serienkultur in den letzten 15 Jahren verändert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schon in den 70er Jahren gab es die ganz großen TV-Serien wie „Dallas“ und danach in den 90ern „Seinfeld“, „Friends“ oder „Beverly Hills 90210“. Heute sind jedoch die sogenannten „Qualitäts-TV-Serien“ im Gespräch. Man nimmt immer das Wort „Quality“ dazu und versucht so die neuen Serien von den herkömmlichen abzugrenzen. Die Entstehung der „Quality-TV-Series“ hat vor allem einen wirtschaftlichen Hintergrund. Als man gemerkt hat, dass das Blockbuster-Kino nicht mehr so rentabel ist, haben die großen US-Medienkonglomerate, zu denen sowohl Filmstudios als auch Fernsehsender zählen, stärker in Serienformate investiert. Dadurch sind qualitätsvollere Produkte und die Möglichkeitim Fernsehen mehr auszuprobieren entstanden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich will das nicht rein wirtschaftlich erklären, aber man darf den Aspekt nicht aussparen. Dass man mehr Geld investiert, bewirkt auch, dass Serien mit größeren Stars besetzt werden. Da sich die aber nie für eine längere Zeit verpflichten lassen, hat sich auch die Serien-Machart verändert und neue Formate sind entstanden, wie die Mini-Series oder Serien wie „True Detective“, in der jede Staffel für sich alleine steht. Durch Formate wie Netflix und die Möglichkeit, Serien in einem selbstbestimmten Rhythmus anzusehen, hat sich auch das serielle Erzählen verändert und so etwas wie der Cliffhanger hat immer weniger Bedeutung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Serientrend kommt aus den USA und ist dann nach Europa übergelaufen. Sind diese Qualitätsserien nun auch bei uns im Fernsehen zu sehen oder hat sich hier lediglich verändert, wo und wie wir Serien schauen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vor allem dem deutschsprachigen Publikum traut man das leider nicht zu, deshalb laufen diese ganzen Qualitätsserien auch hauptsächlich in Sparten-Kanälen oder zu günstigen Sendeplätzen spät nachts.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Das heißt, wir sind umso mehr auf neue Medien angewiesen, wenn wir Qualitätsserien schauen wollen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf jeden Fall. Im deutschsprachigen Raum musste man dank dem Internet nicht mehr warten und konntedort auf (semi-)illegalen Portalen alle Serien finden, sobald sie in den USA liefen. Gerade so etwas wie Netflix funktioniert hauptsächlich deshalb, weil es nun legale Anbieter_innen für unsere Serien-Bedürfnisse gibt, die wir bisher hauptsächlich auf (halb-) illegale Weise gestillt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Früher sind am Samstagabend alle vor dem Fernseher gesessen und haben dieselbe Show gesehen. Haben Netflix und das Internet das kollektive Fernseherleben zerstört?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, das ist eher eine Antwort auf eine gesellschaftliche Entwicklung. „Wetten, dass...“ ist ein gutes Beispiel dafür, das kommt aus einer Zeit, in der sich Familien vor dem Fernseher versammelt haben. Aber irgendwann gab es nicht mehr nur einen Fernseher im Haushalt, sondern auch einen im Schlafzimmer und einenim Kinderzimmer, weil verschiedene Familienmitglieder eben verschiedene Präferenzen haben. Früher hat man sich auch nicht am Samstag Abend vor den Fernseher gesetzt, um Zeit miteinander zu verbringen, sondern um etwas Bestimmtes am einzigen TV-Gerät im Haushalt anzuschauen. Die Digitalisierung ist also nicht die Ursache für die Individualisierung des Fernseherlebens, sondern vielmehr Resultat davon.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Stimmt das Prinzip: Sag mir, was du schaust und ich sag dir, wer du bist? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Absolut. Aber das gilt ja nicht nur bei TV-Serien, sondern auch bei Musik oder Filmen. Medieninhalte sind stark identitätsstiftend. Und es mag Schubladendenken sein, aber ich bin mir sicher, dass Menschen, die hauptsächlich Quality-TV-Serien anschauen, anders beurteilt werden als Menschen, die „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ sehen.&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Christian Stiegler lehrt an der Universität Wien und ist Professor für Medienmanagement, Consumer Culture und New Media an der Karlshochschule in Karlsruhe.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Sara Schausberger ist freie Journalistin und hat in Wien Germanistik studiert.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
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 <pubDate>Thu, 05 Feb 2015 07:00:00 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Olja</dc:creator>
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 <title>Mehr als nur ein Beisl</title>
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&lt;p&gt;Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen großen Unterschied machen: Etwa wenn mensch keinen Euro in den Wuzzler stecken muss, damit unten die Bälle rauskullern; oder wenn eine punkige Stimme, die im Hintergrund aus den Boxen tönt, irgendetwas Abfälliges über Nazis trällert. Hier werden keine Zeitungsverkäufer_innen angefeindet und rausgeschmissen. Hier dürfen sich alle küssen; egal ob hetero, bi oder homo. Hier kann mensch sich in der Mittagszeit auch einfach mal ein Glas Wasser bestellen und gemütlich auf der Couch herumlungern. &lt;em&gt;progress&lt;/em&gt; hat sich vier solche Räume näher angeschaut: Das TüWI und das Cafe Gagarin in Wien, die Linzer Stadtwerkstatt und das SUb in Graz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;(c) Niko Havranek&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;(c) Niko Havranek&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/STWST_NikoHavranek-8.jpg?itok=dVMeGOxA&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;DSCHUNGEL UND BERG&lt;/strong&gt;. Über einen Kamm scheren lassen sich die vier selbstverwalteten Lokale nicht. Jeder Raum besitzt seinen eigenen Charme. Das ist auf den ersten Blick erkennbar: Die Einrichtung des Cafe Strom, dem Beisl der Stadtwerkstatt, könnte ohne weiteres das Hochglanzcover eines Designmagazins schmücken. Mithilfe massiver Tischplatten aus Naturholz und der extravaganten Dekoration der Wände und Decken mit Kletterpflanzen werden Dschungelflair mit Wohnzimmerfeeling kombiniert. Mit historischer Bausubstanz punktet hingegen das SUb. Die Grazer Schlossbergmauer ist Teil des Kulturprojekts nahe dem Murufer. Durchgesessene Couchen, eine selbstgezimmerte Bar und menschhohe Stapel an Getränkekisten verbreiten eine gewisse abgefuckte Gemütlichkeit. Im Sommer führt der Weg über eine imposante Metalltreppe rauf zur Dachterrasse.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch scheint es kein allgemeines Rezept für selbstverwaltete Räume zu geben. Einen gemeinsamen Nenner bringt aber das Plenum des SUb sehr stimmig auf den Punkt: „Unser Kompromiss zwischen dem, was wir wollen, dem, was wir können, unddem, was wir dürfen, ist ein selbstverwaltetes und gemeinnütziges Vereinsprojekt.“ Kombiniert mit dem politischen Anspruch, eine alternative Praxis zu leben, brechen die Räume so weitgehend mit dem Diktat der Verwertbarkeit. Besucher_innen sind keine bloßen Konsument_innen, sondern vielmehr Nutzer_innen eines Raumes, den sie selber mitgestalten können. Ähnlich sieht das auch Walter, ein langjähriger AkTüWIst: „Ich finde es schrecklich, wenn jeder Quadratzentimeter verwertet wird. Wenn jeder Raum eine gewisse Funktion zu erfüllen hat.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für viele Studierende der BOKU ist das TüWI nicht mehr wegzudenken. Sei es wegen dem einen oder anderen Bio-Bier nach einer überstandenen Prü- fung, dem einzigen annehmbaren vegetarischenund veganen Essen am Campus oder den durchschwitzten Ska-Konzerten. 2014 blickte das TüWI auf 20 ereignisreiche Jahre zurück. Trotz der langen Geschichte sieht Walter den Freiraum nach wie vor als Experiment für andere Formen des Zusammenlebens und der Organisation. „Das TüWI ist, was du draus machst“, zitiert er einen alten Slogan, dessen Aktualität ungebrochen ist. Es gehe auch nach zwei Jahrzehnten noch darum, ein kritisches Bewusstsein zu schaffen, die Eigeninitiative von Menschen zu fördern und die eigene Umwelt mitzugestalten. Dass dabei oft auch unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen, ist selbstverständlich. Die Menschen bestehen nicht alle aus dem gleichen, homogenen Teig. Ziel ist es jedoch Konflikte auszudiskutieren und Entscheidungen gemeinsam zu fällen. Auch wenn diese Praxis immer wieder in stundenlangen Diskussionen auf Plena mündet, scheint es sich zu lohnen. Aus dem Anliegen, Gegenentwürfe zu den hierarchischen und unterdrückenden Gesellschaftsstrukturen umzusetzen, entstehen vielfältige Ideen, wie mensch es anders machen könnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GIBLING UND FREIE PREISE. &lt;/strong&gt;Das Cafe Gagarin in der Nähe des Wiener Unicampus wird seit 2012 als Kollektiv betrieben. Der damals nötige Um-bau war für die vorigen Eigentümer zu teuer. So entschlossen sich einige Mitarbeiter_innen, Hand anzulegen und das Lokal selbstverwaltet weiterzu- führen. Wenn Fanja und Amadeo von der damaligen Baustelle erzählen, glänzen ihre Augen. Die neu eingebauten, metallenen Lüftungsrohre, die sichan der Decke des Lokals entlangschlängeln, sind Teil des Gründungsmythos, der die Gruppe seither zusammenschweißt. Vor kurzem wurden drei weitere Personen im Kollektiv aufgenommen und für das Büro im Obergeschoss werden noch Partner_innen gesucht, die sich den Raum teilen wollen. „Wenn ich es alleine nicht schaffe, gibt es jemand anderen, der oder die mir dabei helfen kann“, ist das Credo, das sich das Kollektiv beibehalten hat. So soll keine_r davor zurückschrecken müssen, Sachen anzupacken und Neues zu lernen. Dies spiegelt sich auch in der Aufgabenverteilung wieder. Die Verantwortlichkeiten für die einzelnen Bereiche rotieren. So weiß im Idealfall jede_r Bescheid, wie es in den einzelnen Bereichen zugeht. „Es kochen auch immer mal verschiedene Menschen“, erzählt Amadeo. Nicht auf Kosten der Qualität, wie der letzte Bissen vom schmackhaft knusprigen Gemüse-Pakora beweist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;(c) Niko Havranek&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;(c) Niko Havranek&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/Gagarin_NikoHavranek-14.jpg?itok=PUnUFC3c&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Spätestens wenn es ums Bezahlen geht, stoßen Esser_innen im Gagarin dann auf das Konzept der freien Preise. Hier entscheidet jede_r selbst, wie viel er oder sie für das Essen zahlen will und kann. Freie Preise ermöglichen, dass manche weniger und andere mehr zahlen, entsprechend der jeweiligen Lebensrealitäten. Sind also gerade Studiengebühren zu berappen, ist es in Ordnung weniger zu zahlen. Wer gerade ein dickes Plus am Konto hat, ist eingeladen, mehr zu zahlen. „Das kann funktionieren, wenn freie Preise als ein Weg verstanden werden, bewusst mit den Möglichkeiten und Bedürfnissen aller Beteiligten umzugehen“, steht auf der Homepage des Gagarin. Fanja und Amadeo verraten, dass es über das Konzept im Kollektiv durchaus verschiedene Ansichten gäbe. Das größte Problem sei, dass die Preise für regionale, saisonale und biologische Produkte oft total unterschätzt werden. Aber alleine schon wegen der vielen Diskussionen und Denkanstöße, die das Konzept bei den Gäst_innen auslöst, sei es wertvoll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über Alternativen beim Bezahlen haben sich auch die Menschen der Stadtwerkstatt ihre Gedanken gemacht. Hier sind zwar fixe Preise zu bezahlen; etwa für ein Stamperl des hausgemachten Vodkas; jede_r kann sich jedoch aussuchen, ob er_sie die Rechnung lieber in Euro oder in Giblingen begleichen möchte. Der Gibling ist eine Communitywährung, ähnlich einer Regionalwährung. Ein Euro ist einen Gibling wert. Wechselstuben gibt es in Linz, Graz, Wien und in den Weiten des Internets. Da das Geld in der Community bleibt, fördert das System direkt die Kunst- und Kulturszene. Die Liste der Partner_innen, bei denen in Giblingen bezahlt werden kann, reicht von linken Beisln bis hin zu Geschäften für Fahrradzubehör. Für die Versorgerin, die Zeitschrift der Stadtwerkstatt, können die Giblinge aber ruhig in der Geldbörse bleiben. Das Abonnement gibt es gratis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;VERSORGT MIT KOMPOTT. &lt;/strong&gt;In der Versorgerin werden nicht nur die Projekte und Ideen der Stadtwerkstatt vorgestellt; sie bietet auch Platz zur Auseinandersetzung mit verschiedensten (kultur-) politischen Themen. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich etwa mit der Forderung nach sicheren Fluchtwegen für Flüchtlinge oder mit der neueren Psychoanalyse des Films. Die Betreiber_innen der selbstverwalteten Räume sind also nicht nurExpert_innen für Gastronomie und Kulturmanagement, sondern auch Öffentlichkeitsarbeiter_innen gegen herrschende Zustände. Das TüWI lässt zwar die Druckerpressen ruhen; das sogenannte ökopolitische Kompott erreicht seine Empfänger_innen jedoch via Ultrakurzwelle. Jeden ersten und dritten Freitag steht Radio Orange für eine Stunde ganz im Zeichen des TüWIs. Die Themenpalette reicht von Homophobie und Sexismus im Fußball bis hin zur ökologischen Landwirtschaft auf Kuba.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;(c) Niko Havranek&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;(c) Niko Havranek&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/Tu%CC%88wi_NikoHavranek-4_0.jpg?itok=novjvIf0&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch das Grazer SUb beschränkt sich nicht darauf Konzerte zu veranstalten. Sollte die Band auf der Bühne den eigenen Musikgeschmack nicht ganz treffen, steht ein vollbepacktes Bücherregal zum Schmökern bereit. Bestseller-Literatur sucht mensch hier jedoch vergeblich. Stattdessen gibt es eine große Auswahl über Antirassismus bis zu kapitalismuskritischen Werken. Kritisch zu sein ohne dem Dogmatismus zu verfallen, ist dem Plenum des SUb ein Anliegen. Eine große Rolle spielt daher auchdie Reflexion der eigenen Praxis. „Sexistische und andere diskriminierende Verhaltensweisen werden nicht automatisch an der Türe des SUb abgelegt“, berichtet ein Teilnehmer des Plenums. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und lange Diskussionen mündeten schließlich im SUb-Awareness-Konzept. Ein Versuch, Strategien und Wege zu entwickeln, die es ermöglichen, auf Übergriffe und Grenzüberschreitungen solidarisch zu reagieren. Diese Formen der Gewalt sollen so aus der Unsichtbarkeit gehoben werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;DO IT YOURSELF.&lt;/strong&gt; Um den Ursprung des Namens SUb ranken sich verschiedene Mythen, die das Plenum weder bestätigt noch dementiert. Mit einem Augenzwinkern wird folgende, durchaus plausible Geschichte vorgetragen: Vor langer Zeit soll das Lokal einmal uprising geheißen haben: hoffnungsvoll; revolutionär. Doch irgendwann wurde es zum subrising, und irgendwann blieb dann nur noch das SUb übrig. Wenngleich hier Herausforderungen eher mit Spaß als ernster Miene angesprochen werden, regt die Geschichte zum Nachdenken an. Womit müssen sich selbstverwaltete Räume herumschlagen? Dass solche Projekte keine Selbstläufer_innen sind und die Sicherung eines langfristigen Bestehens ein hartes Stück Arbeit ist, zeigen leider auch gescheiterte Projekte: Etwa das ehemals selbstverwaltete Café Rosa, das mit hohen Ansprüchen gestartet ist, aber schließlich 2012 nach weniger als einem Jahr zusperren musste. Steigende Mieten stellen gerade Räume, deren Prämisse nicht die Profitmaximierung ist, vor Schwierigkeiten. Durch die zunehmende Prekarisierung ist die in den meisten Fällen ehrenamtliche Vereinsarbeit immer schwieriger zu stemmen. „Wir merken, dass die Fluktuation höher wird und Menschen generell weniger Zeit haben sich unentgeltlich zu engagieren“, gibt Walter vom TüWI zu bedenken. „Trotz aller Schwierigkeiten muss mensch sich jedoch vor Augen führen, dass es sich lohnt.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Selbstverwaltete Beisl, Lokale, Räume, oder wie auch immer sie sich selbst definieren, bieten nicht nur die Möglichkeit eine soziale, ökologische und antidiskriminierende Praxis gegen die vorherrschende Ellenbogenmentalität zu unterstützen. Sie bieten auch Strukturen, um selbst aktiv zu werden – egal ob es um die Organisation von Bandabenden, DJane-Lines, Lesungen, Filmscreenings oder Ausstellungen geht oder darum nach Feierabend einfach in gemütlicher Atmosphäre ein Getränk zu genießen; Walter fasst es passend zusammen: „Es ist alles möglich, was Leute anpacken.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Klemens Herzog studiert Journalismus und Neue Medien an der FH der Wirtschaftskammer Wien.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Thu, 05 Feb 2015 07:00:00 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Olja</dc:creator>
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 <title>Stammbaumrütteln</title>
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&lt;p&gt;„Liebe Kinder, ich will Euch kurzüber unseren Lebensweg berichten“, schreibt meine Uroma im November 1992 in Wien. Wobei, selber schreibt sie nicht. Sie diktiert ihrem Sohn Episoden aus ihrem Leben, dieser tippt sie auf der Schreibmaschine. Das Ergebnis ist ein 13-seitiges Schriftstück, vollgepackt mit Erinnerungen an die Flucht aus der damaligen Karpatenukraine nach Wien in den letzten Kriegsmonaten 1944 und 1945.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;DIY STAMMBAUM. &lt;/strong&gt;Die Motivation sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen ist die Vermutung, Interessantes zu entdecken. Ich wollte mehr über meine Großeltern erfahren, die nicht im Gebiet des heutigen Österreichs geboren wurden und bereits als Kinder Kriegs- und Fluchterfahrungen machten. Ausgangspunkt meiner Nachforschungen war ein Stammbaum, den ich selbst erstellte. Der Aufwand bemisst sich danach, wie umfassend man sich bereits mit der eigenen Familie beschäftigt hat und wie gut man sich Namen merkt. Denn die Herausforderung, Namen von entfernten Verwandten vom hintersten Eck des Gedächtnis auf ein Blatt Papier zu bringen, sollte nicht unterschätzt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die erste Anlaufstelle für Informationen genealogischer Natur waren meine Eltern, können selbstverständlichaber auch Oma oder Opa sein. Wie ich bereits vermutet hatte, ist das Stammbaumzeichnen ein guter Anlass, um ins Gespräch über Vorfahren zu kommen. Für alle, die gerne in alten Sachen stöbern, bietet sich außerdem die Gelegenheit, Familienfotos und -dokumente genauer anzusehen. Ich hatte das Glück, dass sich mein Großonkel bereits mit seinem und damit auch mit meinem Stammbaum auseinandergesetzt hatte. Ein Stück Vorarbeit war also schon geleistet. Wenn man beim Erstellen des eigenen Stammbaums an Grenzen stößt und Familieninformationen und -dokumente nicht reichen, hofft man bei einer offiziellen Stelle mehr Daten zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;EINE UNENDLICHE GESCHICHTE. &lt;/strong&gt;Doch das Ergebnis der Recherche bei Behörden ist ernüchternd. So wird meine Erwartung an ein Suchregis- ter, in dem man nur den Namen der gesuchten Person eingeben muss und welches alle Informationen ausspuckt, enttäuscht. Zwar kursieren im Internet zahlreiche Datenbanken, diese werden in der Regel aber von Privatvereinen oder -personen betrieben und sind dubios. Das Österreichische Staatsarchiv betont auf seiner Website, dass es keine „Personenzentralkartei“, in der unter dem Namen des_der Gesuchten nachgeschlagen werden kann, verwaltet. Ich habe mich im Zuge meiner Recherche für das Kriegsarchiv interessiert, auch hier findet man entgegen verbreiteter Vorstellungen kein Gesamtverzeichnis aller österreichischer Soldaten. Schnell wird klar: Familienforschung ist zeit- und kostenaufwendig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bevor man weitere Schritte plant,sollte man sich die bereits vorhandenen Familiendokumente genau ansehen. Sie liefern nicht nur die ergiebigsten Informationen, sie kosten auch am wenigsten Mühe und Geld. Tagebücher, Briefe und Urkunden gibt es oft in vergessenen Schubladen und auf knarzigen Dachböden. Trotzdem kommt es vor, dass alte Fotos und dergleichen wegen Lebensumbrüchen, Verlusten oder Wohnortwechsel entsorgt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Falls man sich daher doch an Archive oder ähnliche Institutionen wendet, muss man über Basisdaten (zum Beispiel Geburts- und Sterbedaten) und Vorkenntnisse (zum Beispiel der deutschen Sprache und Schreibschrift) verfügen. Das Wiener Stadt- und Landesarchiv recherchiert nur nach Personen, wenn der vollständige Name sowie ein Identifizierungsmerkmal (zum Beispiel Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt) bekannt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GESCHICHTEN DER ANDEREN.&lt;/strong&gt; Auch über die eigenen Wurzeln hinaus können sich Gespräche mit Verwandten lohnen. Sie tragen nicht nur die Familiengeschichte, sondern auch Zeitgeschichte in sich. Die Bereitwilligkeit, mit der die Groß- oder Urgroßelterngeneration erzählt und damit unvermeidlich erinnert, kann allerdings unterschiedlich groß sein. Je nachdem, wie mit Erlebtem umgegangen und dieses verarbeitet wurde, kann auch die Form des Erzählens variieren. Beim Erinnern erzählen manche einprägsame Erlebnisse, andere wollen einen möglichst vollständigen oder detaillierten Blick auf Erfahrenes zulassen. Wieder andere halten gar nichts vom Erinnern, das Erlebte sei „vergangen und vergessen“.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Bereitschaft, den Nachkommen ein Stück Familiengeschichte anzuvertrauen, hängt außerdem wesentlich damit zusammen, was als erzählenswert gilt. In der Schule lernen wir die Stammbäume von Herrscher_innen auswendig und merken uns Datenvon Schlachten. Kein Wunder, dass Geschichte(n) abseits derjenigen von mächtigen Männern, blutigen Kriegen und wichtigen Tagen verloren gehen. Diejenigen, deren Lebensgeschichte marginalisiert und als nicht bedeutend hingestellt wird, erzählen nicht so leicht. Jene, die Geschichten von Alltag und Arbeit, von Familie und Pflege zu erzählen haben und Verfolgung, Krieg, Flucht und Migration aus einer anderen Perspektive erlebt haben, gilt es zu ermutigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Selbst fertige Stammbäume zeigen allerdings lediglich Namen, die miteinander in Verbindung stehen. Gebrochene Äste oder Risse in Blättern sieht man nicht, der Stammbaum alleine liefert keine Informationen über Konflikte in der Familie. Auch wenn die Familieoft als harmonisches und natürliches Gebilde imaginiert wird, wollen und können sich auch manche nicht mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen. Dass kann auch daran liegen, dass nicht für alle Menschen die Familie, die sie als ihre verstehen, die biologische ist. Dies sollte genauso respektiert werden, wie das Vorhaben, den eigenen Stammbaumwurzeln auf den Grund zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Sonja Luksik studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Thu, 05 Feb 2015 07:00:00 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Olja</dc:creator>
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 <title>Ein Spiegel der Gesellschaft?</title>
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&lt;p&gt;Bei seinem ersten Vorsprechen an einer Schauspielschule wurde Markus Subramaniam gesagt, er solle sich auch nach Job-Alternativen umsehen. „Ich finde es in Ordnung, dass man den Leuten, die vorsprechen, realistisch sagt, dass ihr Talent nicht ausreicht. Aber dann haben sie mir noch ein paar Rollen vorgeschlagen, die ich beim nächsten Mal vorsprechen solle und das waren ausschließlich dunkelhäutige Paraderollen, wie zum Beispiel der ‚Mohr‘ bei Shakespeare. Da habe ich mir gedacht: Also groß ist eure Fantasie nicht.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Subramaniam hat sich nicht nach Job-Alternativen umgesehen und wurde kurz danach am Max Reinhardt Seminar in Wien zum Schauspielstudium aufgenommen. Während seines Studiums war seine Hautfarbe kein Thema, erzählt er: „Aber ich glaube schon, dass sie trotzdem eine Rolle spielt. Allein, weil ich auffalle. Weil es im staatlichen Theaterbereich kaum andere Dunkelhäutige gibt. Und ich spüre schon immer eine besondere Aufmerksamkeit, wenn ich wo vorspreche.“ Direkt nach dem Studium ging der gebürtige Deutsche, dessen Vater aus Sri Lanka kommt, ans &lt;em&gt;Landestheater Linz&lt;/em&gt;, wo er vier Jahre lang festes Ensemblemitglied war. „Als ich auf der Schauspielschule war, habe ich mir gedacht, dass ich bestimmte Rollen wahrscheinlich nicht bekommen werde, aber meine zweite Rolle war gleich ‚Karl Moor’ in Schillers ‚Die Räuber‘, wo ich einen weißen Bruder und einen weißen Papa hatte. Die Theaterleiter in Linz haben mich nie in eine Ecke gedrängt, dafür bin ich ihnen sehr dankbar.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: Eva Engelbert&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/_MG_9199.JPG?itok=eAYPX8Ig&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ausnahmefälle.&lt;/strong&gt; Daraus zu schließen, dass in der deutschsprachigen Theaterlandschaft alles eitel Wonne sei, wäre aber zu kurz gegriffen. Immer wieder war das Theater in den letzten Jahren repräsentationspolitischen Debatten ausgesetzt. Unter anderem wird dabei die Frage verhandelt, welche Rolle Rassismus auf den deutschsprachigen Theaterbühnen spielt. Subramaniam ist als dunkelhäutiges Ensemblemitglied an einem österreichischen Theater ein Ausnahmefall. „Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt er. In seinem vierten und letzten Jahr am Landestheater in Linz wurde das von den Theaterleitern genutzt und Markus Subramaniam als „Othello“ besetzt. Als er den Vertrag für Linz unterschrieb, war seine Bedingung, dass er die Paraderolle, die sonst nach wie vor meist mit weißen Schauspielern besetzt wird, spielen dürfe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch Nancy Mensah-Offei hat es wie Markus Subramaniam auf eine staatliche Schauspielschule geschafft. Mensah-Offei, die in Ghana geboren wurde und mit sieben Jahren nach Österreich kam, wird dieses Jahr mit dem Schauspielstudium am Konservatorium der Stadt Wien fertig. Auch ihr wurde ein Festengagement an einem Theater angeboten, das sie aber abgelehnt hat, um erst mal als freie Schauspielerin zu arbeiten. „Bis jetzt hat man mir am Theater oder in der Schauspielschule nie das Gefühl gegeben, dass meine Hautfarbe ein Problem wäre. Bei der Aufnahmeprüfung war nur mein Bein ein Thema, weil ich humple. Die Frage war, ob man darüber hinwegsehen kann oder nicht. Das heißt, es sind insgesamt drei Faktoren, die es in Österreich für mich schwieriger machen: Ich bin eine Frau, ich bin schwarz und ich habe eine körperliche Behinderung.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Theater sei bisher nie ihre Hautfarbe der Grund für ihre Besetzung gewesen, so die Schauspielerin. Im Gegensatz zum Film: „Bei der ORF-Produktion ‚Schlawiner‘ war klar, dass eine dunkelhäutige Schauspielerin gesucht wird.“ Obwohl Nancy Mensah-Offei am Theater durchwegs positive Erfahrungen gemacht hat, kam es in Kritiken auch schon zu fragwürdigen Aussagen aufgrund ihrer Hautfarbe. So schrieb beispielsweise die Wiener Zeitung in einer durchaus begeisterten Kritik über die „Argonauten“ am &lt;em&gt;Rabenhoftheater&lt;/em&gt;: „Die Entdeckung des Abends ist Nancy Mensah-Offei. Ihre Medea ist wie eine hoheitsvolle Voodoo-Priesterin.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: Eva Engelbert&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/_MG_9622.jpg?itok=2HpEyKwT&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Reproduktion von Rassismen.&lt;/strong&gt; Nicht nur in Theaterkritiken kommt es immer wieder zu (subtilen) Rassismen. Erst kürzlich wurde es um das Thema in der Theaterlandschaft wieder laut, als vor ein paar Monaten die &lt;em&gt;Wiener Festwochen&lt;/em&gt; ihr diesjähriges Programm veröffentlichten. Der Verein &lt;em&gt;Pamoja – The Movement of the Young African Diaspora in Austria&lt;/em&gt; initiierte via &lt;em&gt;Facebook&lt;/em&gt; eine Petition zur Absetzung eines Stücks von Jean Genet, das in der deutschen Übersetzung mit „Die Neger“ betitelt wurde. Die Kritik: Durch den Titel werde eine rassistische Haltung reproduziert, der man entgegenwirken müsse. Der Regisseur Johan Simons schlug eine&lt;br /&gt;Titeländerung zu „The Blacks“, in Anlehnung an die englische Übersetzung, oder zu „Die Weißen“ vor. Der Übersetzer der deutschen Fassung, Peter Stein, lehnte das jedoch ab, da der Titel für die Clownerie aus den 50er-Jahren, die auf gleichnishafte Weise mit Klischees arbeitet, bewusst provokant gewählt sei.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für Aufregung sorgte auch ein Bild im Programmheft der Festwochen, auf dem schwarz angemalte weiße Gesichter zu sehen waren. Diese Praxis des Blackfacing wird oft mit „Minstrel-Shows“ in den USA des 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht, in denen weiße Schauspieler_innen schwarz und oft mit grotesken Mienen geschminkt wurden, um sich auf der Bühne mit Hilfe klischeehafter Zuschreibungen über Schwarze lustig zu machen. Blackfacing wird allerdings bereits seit dem Mittelalter auch in Europa betrieben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Prämisse des Autors Jean Genet, „Les nègres“, wie der Titel des Stücks im französischen Original lautet, nur mit schwarzen Schauspieler_innen zu besetzen, wurde von Regisseur Johan Simons in seiner &lt;em&gt;Festwochen&lt;/em&gt;-Produktion bis auf eine Ausnahme jedenfalls nicht eingehalten. „Wäre es nicht wenigstens drin gewesen, dass Simons den einzigen Witz des Stoffes nicht kaputtmacht? Genets Regieanweisung, nur schwarze Schauspieler zu besetzen, hatte immerhin verstanden, dass es beim Rassismus im Theater um konkrete Repräsentationsfragen geht. Dass Simons nun weiße Schauspieler schwarze Schauspieler spielen lässt, die weiße Kolonialisten spielen, zeigt dagegen, dass er das Stück überhaupt nicht begriffen hat“, schrieb &lt;em&gt;Die Zeit&lt;/em&gt;. Im Endeffekt passierte dann nicht viel. Die Aufführungen von Genets Stück gingen nach den Protesten im Vorfeld still über die Bühne. Beim Salongespräch zur Inszenierung, das ebenfalls im Rahmen der &lt;em&gt;Festwochen&lt;/em&gt; unter dem Titel „Political Correctness auf der Bühne. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ stattfand, saßen auf dem Podium ausschließlich Weiße. Im &lt;em&gt;Falter&lt;/em&gt; hieß es dazu: „Intendant Hinterhäuser sagt, man habe vergeblich versucht schwarze Diskutanten zu finden.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Weiße Norm und schwarze Schminke.&lt;/strong&gt; In den letzten Jahren war es in Zusammenhang mit Blackfacing immer wieder zu heftigen Diskussionen gekommen: In der Inszenierung von „Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung“ 2010 am &lt;em&gt;Schauspielhaus Wien&lt;/em&gt;, in dem es um das Schicksal afrikanischer Boat People ging, malten sich die Schauspieler_innen in der Inszenierung von Felicitas Brucker schwarz an und machten sich dann mit Mehl wieder weiß. Die Blackfacing-Debatte wurde damals noch nicht aufgegriffen, die Kritik hob den dadurch verursachten Verfremdungseffekt hervor. Wiederbelebt wurde die Blackfacing-Debatte dann 2011, als in Deutschland gleich zwei Theaterhäuser Premieren mit weißen Schauspielern, die schwarz angemalt werden sollten, ankündigten. Eine hitzige Diskussion entbrannte, die Inszenierung am &lt;em&gt;Deutschen Theater &lt;/em&gt;wurde schließlich abgesagt, weil der Autor des Stücks, der Pulitzer-Preisträger Bruce Norris, dem Theater, das die Figuren nicht werkgetreu besetzte, die Aufführungsrechte entzog. Das &lt;em&gt;Deutsche Theater&lt;/em&gt;, eines der vier subventionierten Sprechtheater Berlins, scheiterte daran, Schwarze&lt;br /&gt;als Schwarze zu besetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: Eva Engelbert&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/_MG_9179_0.jpg?itok=Aq1VbVNp&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am &lt;em&gt;Linzer Landestheater &lt;/em&gt;wurde 2012 „Lulu“ von Frank Wedekind inszeniert. „Da kommt am Ende eine als ‚Neger‘ bezeichnete Figur mit dicken Lippen und singt Gospels. Genau so ist die Rolle angelegt. Als Reaktion auf die damalige Blackfacing-Debatte hat der Linzer Schauspieldirektor Gerhard Willert einen Kollegen von mir schwarz angemalt und ihn diese Rolle spielen lassen, während ich weiß angemalt wurde und den Weißen gespielt habe“, erzählt Markus Subramaniam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nancy Mensah-Offei sagt zu Blackfacing: „Ich finde es schon störend, dass ein ‚Othello‘ fast immer schwarz angemalt wird. Es gibt genug dunkelhäutige Schauspieler hier in Österreich, die das könnten, aber nicht die Chance bekommen.“ Dass es an den deutschsprachigen Theatern nach wie vor kaum Schauspieler_innen gibt, die nicht einer herrschenden Norm entsprechen, die sich nach wie vor als „weiß“ definiert, ist eine Tatsache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Migrant-Mainstreaming. &lt;/strong&gt;Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum die Auseinandersetzung mit Themen wie Rassismus und Migration bisher fast ausschließlich in einer Nische geschieht. Die Forderung, Schauspieler_innen mit migrantischem Hintergrund auf die Bühne zu bringen, ist keineswegs neu. Obwohl in Wien mehr als 50 Prozent der Einwohner_innen migrantischen Hintergrund haben, hat die Realität der Einwanderungsgesellschaft noch nicht wirklich auf die großen Bühnen gefunden. Die rot-grünen Kulturpolitiker_innen fordern seit 2010 zwar von den geförderten Kulturbetrieben, dass sie aktiv „Migrant-Mainstreaming“ betreiben, trotzdem sind große gesellschaftliche Gruppen im Sprechtheater noch immer unterrepräsentiert. Postmigrantisches Theater findet nicht an den großen Häusern, sondern vor allem im Off-Bereich und auf den Wiener Mittelbühnen statt. Dass Wien eine Stadt der Eingewanderten ist, spiegle sich auf den Bühnen viel zu wenig wider, meint auch der Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: Eva Engelbert&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/_MG_9641_auschnitt2.jpg?itok=WTrPTrio&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So meint auch Nancy Mensah-Offei, dass sie manche Rollen und an manchen Häusern wahrscheinlich nie spielen werde: „Ich habe mich nicht unbedingt am &lt;em&gt;Burgtheater&lt;/em&gt; oder an der Josefstadt beworben. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich im deutschsprachigen Raum als Gretchen besetzt werde, ist gering. Ebenso hält sich die Chance, die Julia zu spielen, in Grenzen. Ich werde wahrscheinlich auch nie in Salzburg im ‚Jedermann’ spielen. Und ich glaube schon, dass meine Hautfarbe der Grund dafür ist. Wenn man mir eine Rolle in einem dieser großen Klassiker anbieten würde, würde ich aber natürlich sofort ja sagen.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Anne Wiederhold, die künstlerische Leiterin des Kunst- und Sozialraums &lt;em&gt;Brunnenpassage&lt;/em&gt;, hält es angesichts dieser Situation für nötig, dass sich die großen Häuser umorientieren: „Die Idee von öffentlicher Kulturförderung ist ja im Prinzip, dass Kunst ein Spiegel für die Gesellschaft sein soll. Wenn sich die Gesellschaft komplett verändert hat, dann muss da was passieren. Alle zahlen Steuern, aber nur ein Bruchteil rezipiert. Im Off-Theater-Bereich zu bleiben, ist aus meiner Perspektive absolut zu wenig.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Postmigrantisches Theater.&lt;/strong&gt; Die deutsche Theaterszene ist da vielleicht schon einen Schritt weiter. Seit der Saison 2013/14 wird das staatlich geförderte &lt;em&gt;Maxim Gorki Theater&lt;/em&gt; in Berlin als Theater, das sich der kulturellen Vielfalt nicht verschließt, geführt. Man geht davon aus, dass das Leben längst transkulturell ist und bringt das auch auf die Bühne. Das Ensemble ist vielfältig, gespielt wird Neues und Klassisches. Geleitet wird das &lt;em&gt;Maxim Gorki Theater&lt;/em&gt; von Jens Hillje und Shermin Langhoff, die den Begriff des postmigrantischen Theaters nach Deutschland gebracht hat. Ihr ehemaliges &lt;em&gt;Theater Ballhaus Naunynstraße&lt;/em&gt; wurde unter ihrer Leitung zum Inbegriff eines Theaters für Menschen, die vielleicht nicht selbst migriert sind, aber in diesem Kontext leben, und zum „Kristallisationspunkt für Künstlerinnen und Künstler migrantischer und postmigrantischer Verortung“. Dass die dort uraufgeführte Inszenierung „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat und Jens Hillje als erstes postmigrantisches Stück zum prestigereichen &lt;em&gt;Berliner Theatertreffen&lt;/em&gt; eingeladen wurde, war ein bedeutender Schritt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seit ein paar Jahren findet durchaus auch in Wien eine Auseinandersetzung mit postmigrantischem Theater statt. So vergibt etwa das interkulturelle Autorentheaterprojekt der &lt;em&gt;Wiener Wortstätten&lt;/em&gt; seit 2007 jährlich einen Preis an Stücke, die sich mit Identität und Interkulturalität auseinandersetzen. Ibrahim Amir wurde 2013 für seine Ehrenmord-Komödie „Habe die Ehre“ mit dem Nestroypreis für die beste Off-Produktion ausgezeichnet und die Theatergruppe &lt;em&gt;daskunst &lt;/em&gt;arbeitet seit Jahren unter der Leitung von Asli Kislal zur Hybridisierung der Gesellschaft. Das Wiener Mittelbühnen-Theater &lt;em&gt;Garage X&lt;/em&gt;, das sich auf zeitgenössische Dramatik spezialisiert hat, startete 2011 zusammen mit Kislals Theatergruppe eine Schwerpunktreihe zum Thema „Pimp my Integration“. Mit exemplarischen Theateraufführungen und Podiumsdiskussionen wurde der Frage nachgegangen, welche kulturpolitischen Maßnahmen es braucht, damit postmigrantische Positionen und Themen zunehmend auf die Wiener Theaterbühnen finden. Als Fortsetzung der Reihe wurde 2012 das Erfolgsstück „Verrücktes Blut“ in der Garage X in einer eigenen Wiener Version von Volker Schmidt inszeniert. In dem Stück geht es darum, sich nicht darauf reduzieren zu lassen, Migrant_in oder Postmigrant_in zu sein. Nancy Mensah-Offei hat mitgespielt: „Obwohl es im Stück viel um Herkunftsfragen geht, hat meine Hautfarbe in der Inszenierung keine Rolle gespielt. Es ging hauptsächlich um das Kopftuch, das ich getragen habe“, erzählt sie.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Große Pläne, wenig Geld. &lt;/strong&gt;Die &lt;em&gt;Garage X&lt;/em&gt;, das &lt;em&gt;Kabelwerk&lt;/em&gt; und die Theatergruppe &lt;em&gt;daskunst&lt;/em&gt; haben sich nun auch zusammengetan und das &lt;em&gt;Werk X&lt;/em&gt; gegründet. Dort soll inhaltlich progressives Theater mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen auf internationalem Niveau und unter Einbezug der Diversität der Wiener Bevölkerung geboten werden. Teil des neuen Programms ist das &lt;em&gt;DiverCITYLAB&lt;/em&gt; von Asli Kislal, das sich der Heranführung migrantischer Publikumsgruppen an das Theater widmet. Es will „dem Gegenwartstheater ein neues, unserer postmigrantischen Gesellschaft angemessenes Gesicht geben, mit neuen Akteur_innen und neuen Theatermacher_innen“ und beinhaltet auch eine eigene Schauspielschule für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Budgets von &lt;em&gt;Werk X &lt;/em&gt;und &lt;em&gt;DiverCITYLAB&lt;/em&gt; werden übrigens separat verwaltet: Während das &lt;em&gt;Werk X&lt;/em&gt; mit über 1,5 Millionen Euro von der Stadt Wien gefördert wird, gehen an Asli Kislal und ihr &lt;em&gt;DiverCITYLAB&lt;/em&gt; gerade einmal 100.000 Euro jährlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Sara Schausberger ist freie Journalistin und hat in Wien Germanistik studiert.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;</description>
 <pubDate>Mon, 04 Aug 2014 13:09:02 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Simone</dc:creator>
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 <title>Eine Reise auf acht Rädern</title>
 <link>https://progress-online.at/artikel/eine-reise-auf-acht-r%C3%A4dern</link>
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&lt;p&gt;Im Spätsommer 2010 haben sich die beiden aufgemacht. Eigentlich sollte es eine sechsmonatige Auszeit vom österreichischen Winter werden. Es wurde schließlich eine zwölf Monate lange Reise durch Mexiko und Mittelamerika. Dabei bestaunten Victoria Reitter und Reinfried Blaha nicht nur die schönsten Strände, durchtauchten malerische Buchten und machten unzählige Bekanntschaften. Sie hatten auch mit Krankheiten zu tun, machten es sich auf verlassenen Terrassen gemütlich und entwickelten eine besondere Taktik im Umgang mit lästigen Polizeikontrollen. Bis nach einem Jahr sowohl ihr Auto, mit dem sie rund 20.000 Kilometer zurückgelegt hatten, als auch Reinfrieds Rollstuhl eine Generalsanierung nötig hatten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Victoria pausierte für die Dauer des Trips ihr Studium der Kultur- und Sozialanthropologie in Wien, der studierte Architekt Reinfried ließ sich von seiner Arbeit in Graz karenzieren. Startpunkt der Reise war Los Angeles, wo sich die beiden einen alten Volvo, Baujahr 1984, zulegten. Denn eine Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre nur unter schweren Anstrengungen möglich gewesen. Seit einem Ski-Unfall im Jahr 2006 ist Reinfried von der Brust abwärts gelähmt und nur mit einem Rollstuhl mobil. Aufgrund seiner Querschnittslähmung ist er auch auf Einwegkatheter angewiesen, um seine Blase entleeren zu können, je nach Wassermenge benötigt er dafür sechs bis neun Stück am Tag. Für eine halbjährige Reise hatten die beiden also eine Unmenge an Kathetern im Gepäck; der zusätzliche Stauraum des Autos erwies sich deshalb als erhebliche Erleichterung. Kalifornien empfanden beide, auch im Vergleich zu Österreich, als relativ barrierefrei. Das änderte sich aber spätestens an der Grenze zu Mexiko: „Wir sind dann zu einem Team geworden, das voneinander abhängig war. Ich war angewiesen auf Vicki, sie aber auch auf mich. Ohne sie hätte ich quasi an einer Straßenecke sitzenbleiben müssen“, erklärt Reinfried.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: privat&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/08_Redsnapper%20y%20limon.jpg?itok=p9hAldCI&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Durch die Wüste. &lt;/strong&gt;Für die erste, rund 1.600 Kilometer lange Etappe, die sie durch die dünnbesiedelte, wüstenartige Gegend von Baja California mit ihren einzigartigen Stränden führte, ließen sich die beiden gut fünf Wochen Zeit. Mit wenig Budget ausgestattet, schlugen sie dort ihr Lager auf, wo es ihnen gerade am besten gefiel. Wild zu campieren, hatte in dieser Gegend allerdings einen erheblichen Nachteil: Der Boden ist dort so sandig, dass Reinfried mit dem Rollstuhl schnell steckenblieb. Vicki musste sich um Zelt und Lagerfeuer also immer alleine kümmern. Auf der Suche nach Alternativen mieteten sie sich schließlich auf den Terrassen von verlassenen Ferienhäusern ein. Für Reinfried bedeutete das, seine Mobilität zurückzugewinnen. Überrascht von den vergleichsweise niedrigen Temperaturen in der Nacht, mussten sie zum Schlafen manchmal nahezu alles anziehen, was sie dabei hatten. Das Auto wurde bald zu einem zweiten Zuhause. Täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, entwickelten beide im Zuge der Reise für so manches Problem kreative Lösungen. Da Reinfried auf Sitztoiletten angewiesen ist, solche in der Gegend aber dünn gesät waren, wurde kurzerhand ein Camping-Stuhl zu einer mobilen Toilette umfunktioniert. „Ich konnte mir jetzt die schönsten Toilettenplätze der Welt aussuchen“, erzählt er lachend. Zwei gestohlene Schlafsäcke, eine gebrochene Zeltstange und zwei löchrige Matten kostete die erste Etappe ihrer Reise, dafür hatten die beiden ihr Spanisch zu diesem Zeitpunkt bereits um gefühlte fünf Prozent verbessert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In San José del Cabo, an der Südspitze Baja Californias angekommen, begann Reinfried in einem Architekturbüro zu arbeiten; Victoria fand Arbeit bei einer NGO, die Menschen im Slum-Gürtel rund um die Stadt unterstützt. Die Wohnungssuche gestaltete sich schwieriger, da es in San José del Cabo praktisch keine barrierefreien Gebäude gab. Konfrontiert mit der Aussicht, ihren Aufenthalt in Zelt und Auto verbringen zu müssen, tat sich aber plötzlich doch noch ein geeignetes Domizil auf: direkt am Meer, sogar mit einer Rampe bis zum Strand – ideal für einen Strandbesuch mit dem Rollstuhl.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: privat&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/10_We%20have%20the%20CAY%20in%20our%20hands%2C%20all%20we%20have%20to%20find%20is%20the%20lock.jpg?itok=7V7Xmihs&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Weihnachten am Strand. &lt;/strong&gt;Statt mit einer importierten Tanne aus Kanada wurde Weihnachten mit Corona und Tequilla gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt beschlossen Reinfried und Victoria auch, ihre Reise um drei weitere Monate zu verlängern. Damit standen sie aber auch vor einem Problem: Die Katheter würden früher oder später zur Neige gehen. Es musste Nachschub her. Ein Paket aus Österreich wurde allerdings vom mexikanischen Zoll festgehalten. Um die Katheder dort abzuholen, hieß es also wieder ab auf die Straße Richtung Mexiko-City.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Weg in die Millionen-Metropole verbrachten Victoria und Reinfried die Nächte immer öfter in Herbergen. Geeignete Unterkünfte zu finden, die ohne Treppen, ohne zu steile Rampen und durch ausreichend breite Türen zugänglich waren, stellte sich aber auf der gesamten Reise als äußerst schwierig heraus. Während Reinfried im Auto wartete, sah sich Victoria die Herbergen an. Dabei entwickelte sie ein besonderes Auge für Maße: „Ich konnte auf den Millimeter genau erkennen, ob Reini mit dem Rolli durch eine Tür passen wird oder nicht.“ Dass sie aufgrund mangelnder Barrierefreiheit viele Unterkünfte ausschließen mussten, sollte sich aber als Bereicherung erweisen: „Auf diese Weise haben wir viele Plätze gesehen, die in keinem Reiseführer verzeichnet sind und haben eine Art Negativabdruck des Reiseführers gemacht“, erzählt Victoria. Oft wurden von GastgeberInnen auch provisorische Rampen angelegt oder anderweitig geholfen. In der Hauptstadt Mexikos angekommen, war es zwar nicht möglich, die Katheter tatsächlich aus den Fängen des mexikanischen Zolls zu befreien, mit Hilfe von Victorias Bruder und der österreichischen Botschaft erhielten sie aber trotzdem Nachschub.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: privat&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/09_Jaggalafree.jpg?itok=gV1tXwfr&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gleichberechtigt unter Wasser.&lt;/strong&gt; Der weiteren Erkundung Mexikos stand somit nichts mehr im Weg. Besonders fasziniert waren Reinfried und Victoria vielerorts von der Unterwasserwelt. Sie gingen nicht nur oft schnorcheln, sondern lernten auch Tauchen – eine Sportart, die sie beide gleichberechtigt ausüben konnten. „Es hat zwar ein wenig gedauert bis ich die Stabilität unter Wasser gefunden habe. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es eigentlich allen Tauchanfängern dabei gleich geht“, erzählt Reinfried. Nach 180 Tagen stand schließlich die Ausreise aus Mexiko bevor. Das Ziel war Kolumbien.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihre Reise führte zunächst über Belize nach Guatemala, ein Land mit einem indigenen Bevölkerungsanteil von rund 60 Prozent, in dem circa 50 verschiedene Sprachen gesprochen werden. Die Osterzeit verbrachten sie in der Stadt Antigua und erlebten dort die tagelangen Osterprozessionen. „Die ganze Stadt spielt eine Woche lang verrückt. In stundenlanger Arbeit werden bunte Teppiche aus Holzspänen auf die Straßen gelegt, dann kommt die Prozession, danach werden neue Teppiche gelegt“, erzählt Victoria. In El-Salvador fing Victoria an, Vulkane zu besteigen. Für Reinfried hieß das zwar, dass er den ganzen Tag im Zimmer bleiben musste, das war aber nach den vielfältigen Eindrücken der bisherigen Reise eine entspannende Abwechslung für ihn.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Je länger Victoria und Reinfried unterwegs waren, desto mehr Schwierigkeiten begegneten ihnen. Auch das geliebte Auto zeigte zunehmend Verfallserscheinungen: Mal war es eine kaputte Benzinpumpe, ein anderes Mal gaben ausgerechnet zur Regenzeit die Scheibenwischer auf. Wie immer wussten sich Victoria und Reinfried aber zu helfen und erdachten eine Konstruktion mit Schnüren, mittels derer sie die Scheibenwischer aus dem Auto heraus manuell bedienen konnten. Reinfried zog sich gegen Ende der Reise eine Fersenverbrennung zu, die sich nur deshalb nicht erheblich entzündete, weil er aufgrund seiner immer wiederkehrenden Harnwegsinfekte regelmäßig Antibiotika einnehmen musste. Victoria wiederum erkrankte an Denguefieber, eine Krankheit, die mitunter tödlich verlaufen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;img alt=&quot;&quot; class=&quot;media-image&quot;  title=&quot;Foto: privat&quot;  typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/article-image_mobile/public/04_AmHeimweg.JPG?itok=jXk3Fpo2&quot; /&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Boot statt Auto.&lt;/strong&gt; Immer wieder waren die beiden auf ihrer Reise auch mit schlecht bezahlten PolizistInnen konfrontiert, die sich über Geld unter der Hand freuten. Für diese Situationen entwickelten sie eine spezielle Taktik: den Rollstuhlbonus. „Sobald uns die Polizei aufgehalten hat, ist Vicki ausgestiegen, zum Kofferraum gegangen und hat mühsam den Rolli ausgepackt“, erklärt Reinfried: „Meistens hat sich die Sache damit auch schon erledigt“. Sie entschieden sich schließlich, ihre Reise nochmals um weitere drei Monate zu verlängern; Victorias Bruder hat sie dafür noch einmal persönlich mit einer Katheterlieferung aus Österreich versorgt. Über Honduras ging es schließlich weiter nach Nicaragua. An der Grenze zu Costa Rica wurde schließlich der Plan, über Panama bis nach Kolumbien zu reisen, durchkreuzt: Die Grenzbehörden wollten die beiden mit ihrem alten Volvo nicht einreisen lassen. So entschlossen sie sich, die touristisch kaum erschlossene Ost-Küste Nicaraguas zu bereisen – eine Gegend, in der es kaum Straßen gibt. Die meisten Strecken legten sie dort, wie die Einheimischen, im Boot zurück.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am gefühlten Ende der Welt sollte dann schließlich das Schlimmste passieren, was sie sich vorstellen konnten: Die Kugellager des Rollstuhls gaben nach und nach den Geist auf. Für Reinfried bedeutete dies den Verlust seiner Mobilität, ein Tiefschlag für beide. Nach einiger Suche konnten sie aber den 80-jährigen Schweißer Mr. Silvio ausfindig machen, der das Nötigste reparieren konnte. Reinfried war zwar nicht mehr so mobil wie zuvor, für die Rückreise nach Mexiko-City reichte es aber. Dort überließen sie ihren lieb gewonnenen Volvo einem Künstler – im Tausch gegen zwei Gemälde. Zurück in Österreich war es für Victoria und Reinfried nicht einfach, in den Alltag zurückzufinden. Die Reise wird ihnen unvergesslich bleiben. Rückblickend meint Reinfried: „Wir haben bei dieser Reise viel gelernt, sie hat unseren Horizont erweitert. Sie hat unsere Intuition geschult und wir haben gelernt, Perspektiven&lt;br /&gt;zu wechseln. Trotz manchmal unüberwindbaren Barrieren haben wir erkannt, dass die meisten Barrieren in unseren Köpfen verankert sind.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Georg Sattelberger studiert Internationale Entwicklung in Wien.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Reisevorträge von Victoria und Reinfried gibt es zu folgenden Terminen:&lt;br /&gt;30. 9. Wien Energie (&lt;a href=&quot;http://www.allesleinwand.at&quot;&gt;www.allesleinwand.at&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;8. 10. Hartberg (Stmk.)&lt;br /&gt;15. 10. Seestadt Aspern (Wien)&lt;br /&gt;23. 10. VBH Schloss Retzhof, Wagna (Stmk.)&lt;br /&gt;29. 10. Leoben (Stmk.)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für mehr Informationen:&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;https://www.facebook.com/mebeguelhonicopa&quot;&gt;https://www.facebook.com/mebeguelhonicopa&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
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 <pubDate>Sat, 02 Aug 2014 07:24:24 +0000</pubDate>
 <dc:creator>Simone</dc:creator>
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