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 <title>Progress - Orlando Brix</title>
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 <title>Kultur, Kapitalismus und Corona</title>
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 <description>&lt;div class=&quot;field field-name-field-images field-type-image field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div id=&quot;file-2626&quot; class=&quot;file file-image file-image-jpeg&quot;&gt;

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&lt;p&gt;&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Musik als Lebensinhalt und -unterhalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Lehrbetrieb an einer Kunstuniversität unterscheidet sich grundsätzlich von den meisten&lt;br /&gt;anderen Fächern und läuft im Moment wie überall nur digital ab. Michael Hell, Professor für&lt;br /&gt;Cembalo und Generalbass an der Kunstuniversität Graz, berichtet von einer anfänglichen&lt;br /&gt;„Mischung aus Neugier und einer gewissen Hemmschwelle“. Einzelunterricht, Vorlesungen und&lt;br /&gt;Seminare aus dem Wohnzimmer und Audioaufnahmen seiner Studierenden statt Live-Vorspiel&lt;br /&gt;im Unterricht seien seine „neue Normalität“.&lt;br /&gt;Einige Fächer stoßen schnell auf infrastrukturelle Probleme, weil dafür sperrige Instrumente benötigt werden. Michael Hell gelang es noch vor dem Lockdown, fast all seine Studierenden mit einem Cembalo (Tasteninstrument) aus der Universität zu versorgen. Ein praktischer Vorteil ist bei künstlerischen Studiengängen also die vergleichsweise kleine Studierendenzahl.&lt;br /&gt;Was im Moment ausbleibt, ist das Ensemblespiel, das miteinander proben und musizieren. Es ist&lt;br /&gt;offen, wann Musikstudierende wieder proben dürfen. Gruppenproben für professionelle&lt;br /&gt;Musiker_innen sind ab 1. Juni angedacht (Stand: 17.4.2020), aber es ist unklar, ob dazu auch die&lt;br /&gt;angehenden gezählt werden. Paola Garcia Sobreira, Bassistin und Masterstudentin an der&lt;br /&gt;Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien, kann die freie Zeit gerade gut für die&lt;br /&gt;Überarbeitung ihres Abschlussprojekts nutzen. Aber sie räumt auch ein: „Ob sich meine Arbeit&lt;br /&gt;ausgezahlt hat, werde ich erst wissen, wenn ich wieder proben kann.“ Sollte sich dieses „wenn“&lt;br /&gt;noch lange hinziehen, wird sie ihr Studium nicht in Mindeststudienzeit abschließen können.&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kreative Arbeit ist kein Allgemeingut&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vielerorts gelobt werden gleichzeitig die sogenannten Balkonkonzerte. Alle Menschen befinden&lt;br /&gt;sich in einer emotionalen Ausnahmesituation, neben Existenzängsten fehlt die soziale&lt;br /&gt;Infrastruktur. Die jetzige Situation zeigt jedoch auch, wie Arbeit gewürdigt wird. Den Ärzt_innen&lt;br /&gt;und Pfleger_innen wird applaudiert – sie kämpfen seit Jahren für fairere Löhne und bessere&lt;br /&gt;Arbeitsbedingungen. Man öffnet den Laptop und kann verschiedenen Livestreams von&lt;br /&gt;Konzerten lauschen – ohne etwas dafür zu bezahlen. Kulturschaffenden wird suggeriert, dass sie&lt;br /&gt;ihre Arbeit der Gesellschaft schuldig sind. Garcia Sobreira sieht solche Erwartungen an&lt;br /&gt;Musiker_innen skeptisch: „Ich glaube, Leute machen sich manchmal ein bisschen Illusionen&lt;br /&gt;damit, wie leicht man im Internet Geld verdient.“ Influencer_innen würden oft Jahre brauchen,&lt;br /&gt;um mit ihrer digitalen Präsenz Geld verdienen zu können. Man mache es sich etwas zu leicht,&lt;br /&gt;wenn man von Musiker_innen erwarte, ihre wegfallenden Konzerteinnahmen durch digitale&lt;br /&gt;Formate ersetzen zu können.&lt;br /&gt; &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;The show must go on?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Musikstudierende stehen eigentlich gerade am Beginn ihrer Karriere. Viele von ihnen sind auf&lt;br /&gt;die Einnahmen von Konzerten und Gigs angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.&lt;br /&gt;Sorgen macht sich Paola Garcia Sobreira über Studierende aus Drittstaaten: „Um das Visum zu&lt;br /&gt;bekommen, braucht man ja einen ziemlich hohen Betrag auf dem Konto, egal ob man einen Studienplatz hat oder nicht.“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Positives kann Michael Hell berichten, dessen Studierende Hilfe vom Notfalltopf der ÖH erhalten haben.&lt;br /&gt;Konzerte haben für junge Musiker_innen aber nicht nur finanzielle Bedeutung, sondern prägen&lt;br /&gt;die Karriereentwicklung, betont Garcia Sobreira. Die momentane Krise im Kulturbetrieb habe&lt;br /&gt;ihre Berufswünsche eher verfestigt als verändert, sie sieht sich immer schon in einer&lt;br /&gt;Kombination aus Freelancing und Festanstellung. Ein vielfältiges Berufsfeld ist auch das des&lt;br /&gt;Cembalisten und Blockflötisten Michael Hell und seiner Studierenden. Er findet es wichtig, sich&lt;br /&gt;jetzt Gedanken um mögliche Szenarien der ungewissen Zukunft zu machen. Eine Rückkehr zur&lt;br /&gt;Vor-Corona-Zeit wünscht er sich nicht, „sondern einen bewussteren Umgang mit dem Thema&lt;br /&gt;Vorsorge, soziale Absicherung und Förderung.“&lt;br /&gt;Die Entscheidungen stehen noch aus, aber die Auswirkungen für Studierende und Lehrende an&lt;br /&gt;Kunstuniversitäten sind unmittelbar. Michael Hell sieht Künstler_innen wie auch Politik in der&lt;br /&gt;Verantwortung, den Veränderungsprozess anzustoßen. Er und seine Studierenden werden&lt;br /&gt;weiterhin das beste aus der Situation machen. „Ich bewundere meine Studierenden, die in&lt;br /&gt;dieser Situation so unglaublich gut durchhalten“, berichtet der Musiker. Er vermutet, dass die&lt;br /&gt;Situation, in einem fremden Land dauernd in einem kleinen Zimmer zu sein, für einige&lt;br /&gt;Studierende durchaus emotional und psychisch belastend ist. Glücklich und erstaunt sei er&lt;br /&gt;deswegen, „dass alle Gespräche und Unterrichtseinheiten positiv und konstruktiv sind.“ Bleibt&lt;br /&gt;nur abzuwarten, dass Österreich zeigt, was ihm an der Kulturnation von morgen liegt.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;  &lt;/div&gt;
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 <pubDate>Wed, 13 May 2020 10:20:04 +0000</pubDate>
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 <title>Nacherzählt ist nicht erfunden.</title>
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Köhlmeier zuweilen genannt, auch wenn er sich
dagegen sträubt. Sein Werk besteht zum größten Teil
aus Nacherzählungen von Sagen, Märchen und anderen
Stoffen aus dem deutschsprachigen Raum und
darüber hinaus. Sein aktueller Band, „Die Märchen“,
erschien im Herbst 2019. Auf der Verlagsseite des
Carl Hanser Verlags kann mensch lesen: &lt;i&gt;„Als Kind hat
Michael Köhlmeier Märchen gehört oder gelesen – heute
schreibt er die Märchen unserer Zeit: keine Nacherzählungen
bekannter Stoffe, sondern eigene Erfindungen,
verstörende, unheimliche Geschichten.“&lt;/i&gt;
Michael Köhlmeier meint so einiges erfunden zu
haben: „Jorinde und Joringel“, „Jossele und der
Dibbuk“ oder „Der liebe Augustin“ unter anderem. Es
sind mehr oder weniger ausgeschmückte Nacherzählungen,
die Titel sind teilweise verfremdet. Der Verlag
teilt auf Anfrage am 2. März 2020 mit: &lt;i&gt;„Michael
Köhlmeier ist ganz sicher der Urheber aller Märchen in
diesem Buch, denn sie stammen alle aus seiner „Feder“
oder wohl aus seinem Computer, das heißt, er hat sie
selber von A bis Z geschrieben. Und es findet sich unter
den 151 Märchen kein einziges, das einfach identisch
ist mit einer älteren Vorlage, und nur extrem wenige,
die eine so große Ähnlichkeit haben, wie Sie es anmerken.“&lt;i/&gt;&lt;p&gt;
Köhlmeier selbst ist da schon transparenter: &lt;i&gt;„[…]in
der Regel habe ich einfach Geschichten genommen, die
mir gut gefallen haben, habe vom Plot 80 oder auch
nur 20 Prozent übernommen und sie neu erzählt.“&lt;/i&gt;
Etwas bemerkt? Genau: Neu erzählt ist nicht neu
erfunden!
&lt;i&gt;„Ein Katalogtext ist aber weder eine genaue literaturgeschichtliche
Information, noch ein Quellenverzeichnis“,&lt;/i&gt;
weist der Carl Hanser Verlag die Kritik zurück.
Er sieht Köhlmeier in der Tradition der Grimms,
Nacherzähler und Autor zugleich. Einen Kommentar
mit Literaturangaben und Vergleichstexten wie in
den Grimmschen Märchen, sucht mensch bei Köhlmeier
vergeblich. &lt;p&gt;Die Dokumente, worin Grimm,
Bechstein und Co. ihre Märchensammlungen als
„eigene Erfindungen“ bewerben, müssen auch erst
entdeckt werden.
„Jorinde und Joringel“ oder der Joker (DCComics)
sind noch relativ bekannt. Deshalb kann
das Wissen vorausgesetzt werden, dass Köhlmeier
ja nur der Nacherzähler sein kann. Bei Stoffen, die
ursprünglich nicht auf Deutsch verfasst wurden, sieht
es anders aus. Es ist viel schwieriger, zwischen Original
und Hinzudichtung zu unterscheiden. So ist auch
noch leichter, sich mit dem kulturellen Erbe anderer
zu brüsten und dabei nicht erwischt zu werden.&lt;p&gt;
&lt;strong&gt;Die kulturwissenschaftliche Bezeichnung
dafür lautet kulturelle
Aneignung.&lt;/strong&gt; Michael Köhlmeier praktiziert sie
zum Beispiel so: Die jiddische Maise (märchenartige
Erzählung) „Jossele und der Dibbuk“ „erfand“ er ursprünglich
für seinen Roman „Bruder und Schwester
Lenobel“. In seiner Nacherzählung geht der jiddische
Sprachduktus völlig verloren. Die Geschichte wird
also aus ihrem kulturellen und sprachlichen Kontext
gerissen, der auch noch verschleiert wird, weil die
Leser_innen im Glauben gelassen werden, Köhlmeier
hätte die Geschichte erfunden. Das ist nicht
nur künstlerisch und stilistisch billig, sondern auch
kulturell und politisch problematisch.
Minderheitenkulturen wird nicht nur die Deutungshoheit
und die Sichtbarkeit genommen, sie gehen
auch noch leer aus. So schreibt die Süddeutsche Zeitung
2018: Um Geld zu verdienen, fing er an, Sagen
des klassischen Altertums nachzuerzählen. „[…]&lt;i&gt; Man
müsse aufpassen, dass man nicht der Märchenonkel
der Nation werde“, sagt Köhlmeier. „Aber die Honorare
blieben gut.“&lt;/i&gt;&lt;p&gt;
&lt;strong&gt;Jede Nacherzählung ist Interpretation.&lt;/strong&gt;
Das Problem bei Köhlmeiers Interpretationen
ist allerdings, dass er sich verschleiert am Kulturerbe
von Minderheiten bedient und der Verlag bewusst mit
Köhlmeiers Urheberschaft kokettiert. Zu guter Letzt
ist dieser Märchenband auch wieder ein
Beispiel für einen alten, weißen,
christlichen, heterosexuellen
Mann, der seine Plattform besser
hätte nutzen können.
&lt;strong&gt;Es bleibt nicht dabei,&lt;/strong&gt; dass Köhlmeier
sich mehrere Stoffe anderer Kulturen
aneignet. Er scheut sich nicht, rassistische
und ableistische Motive zu benutzen, um seine Schauergeschichten
zu illustrieren. Es ist inakzeptabel, dass
2019 immer noch Neuerscheinungen verlegt werden,
die das N-Wort enthalten – wer sich fragt warum, sei
„Exit Racism“ von Tupoka Ogette oder „Was weiße
Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber
wissen sollten“ von Alice Hasters empfohlen. Zu
verurteilen ist diese Praxis auch deshalb, weil Michael
Köhlmeier gerne auf Bühnen und Medien die antisemitische
und rassistische Haltung der FPÖ kritisiert.
Und er ist hier selbst in seiner Benutzung von Sprache
und Text um keinen Deut besser, weil er sich hinter
der „Schönheit der Märchen“ versteckt und glaubt,
keine politische, kulturelle und ethische Verantwortung
übernehmen zu müssen.&lt;p&gt;
Mit jiddischen Erzählungen Verkaufszahlen und Profit
zu machen und dabei den kulturellen Kontext zu
verschweigen, ist fragwürdig. Dass Rezensent_innen
die Vorgangsweise von Michael Köhlmeier und dem
Carl Hanser Verlag nicht hinterfragen, ist bedenklich.
Wirklich verstörend und schauerlich an seinen Märchen
ist nur, dass die Irritation der weiß-christlichen,
deutschen und österreichischen Leser_innenschaft auf
dem Rücken von Minderheiten geschieht, die zu Fantasiegestalten
stereotypisiert werden und ihre eigenen
Geschichten nicht erzählen dürfen. Modern wollen sie
sein, Köhlmeiers Märchen, aber das endet offensichtlich
bei schnellen Autos, Radios und Parteitagen.&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;  &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field-collection-container clearfix&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-sidebar field-type-field-collection field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-collection-view clearfix view-mode-full field-collection-view-final&quot;&gt;&lt;div  about=&quot;/field-collection/field-sidebar/2198&quot;&gt;
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 <pubDate>Sun, 26 Apr 2020 20:34:39 +0000</pubDate>
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