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 <title>Progress - Sandra Velebit</title>
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 <title>Höbelt –  Abriss eines Skandals</title>
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herumgekommen. Der bereits lange umstrittene außerordentliche Professor am Institut für Geschichte
hatte wieder auf sich aufmerksam gemacht, als er im
Herbst 2019 einen Vortrag mit dem Titel „‘Entgermanisierung‘? Österreich und Deutschland nach 1945“
bei der Herbstakademie des Instituts für Staatspolitk
(IfS) gehalten hat. Das IfS gilt als Think Tank der
Neuen Rechten und beruft sich laut dem Landesamt
für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen auf antidemokratische Ideologien. Dieser Auftritt also war
der Anlass für Protestaktionen gegen Höbelt, die an
der Universität Wien zwar nichts neues sind, aber
eine breite Debatte ausgelöst haben.&lt;p&gt;
&lt;strong&gt;Den Protesten ging einiges voraus:&lt;/strong&gt;
Lothar Höbelt macht seit den 1990ern mit bestenfalls fragwürdigen Aussagen und Auftritten auf sich
aufmerksam. Dabei ist es egal ob er sich positiv in
einem nicht-wissenschaftlichen Kontext auf Göring bezieht, die Waffen SS mit einem SPÖ-nahen
Kindergartenverein vergleicht, das Verbotsgesetz
als „Ärgernis“ bezeichnet oder an einer Festschrift
für den verurteilten Holocaust-Leugner David
Irving mitarbeitet – sobald Kritik aufkommt, fühlt
er sich einfach missverstanden. Dass ein Historiker
sich doch eigentlich so präzise ausdrücken können
müsste, dass er bei so sensiblen Themen möglichst
nicht so fatal missverstanden werden kann, wird
dabei eher außer Acht gelassen. Höbelt weiß genau,
in welchen Bereichen er sich bewegen kann. Wenn
er etwa seinen Kritiker_innen einen Aufenthalt am
Steinhof wünscht, kann er meinen, diese gehören in
ein psychiatrisches Krankenhaus. Dass dort jedoch
in der Anstalt „Am Spiegelgrund“ die Nazis ihr
Euthanasieprojekt „Aktion T4“ durchführten, bleibt
auch im Interpretationsspielraum. Es ist wichtig zu
betonen: Weder von solchen Aussagen, noch von
Auftritten bei BDM- und HJ-Nostalgietreffen, noch
vom Beitrag für Irving hat sich Höbelt jemals distanziert. Im Gegenteil, er macht einfach weiter. Man
kann also davon ausgehen, dass er doch eine gewisse Freude daran hat, missverstanden zu werden.&lt;p&gt;
&lt;strong&gt;So viel zu seiner Person.&lt;/strong&gt; Die Medienrezeption war zunächst überschaubar. Erst nach der
Eskalation der Proteste gegen Ende des Semesters,
nachdem rechtsextreme „Identitäre“ sich dazu
berufen fühlten „Saalschutz“ für Höbelts Vorlesung
zu machen und antifaschistische Aktivist_innen
diese in Folge blockierten, wurde die Diskussion
breiter geführt. Was dabei zu beobachten war, war
dass beinahe alle liberalen Medien sofort gegen die
Protestierenden Position bezogen. In einem Kommentar im Falter etwa wurde sogar behauptet, man
hätte ja gar nichts gegen Höbelt in der Hand, man
hoffe ja schon fast auf einen Ausrutscher. Dabei sind
die meisten der oben beschriebenen Fälle seit Jahren
bekannt und dokumentiert. Es ist die Rolle der Journalist_innen sich darüber zu informieren wen sie
hier verteidigen. Es geht auch nicht nur darum, dass
Höbelt ein FPÖ-Parteiprogramm mitgeschrieben
und am „Historikerbericht“ der FPÖ mitgearbeitet
hat.&lt;p&gt; Man kann ihm sicherlich ein Näheverhältnis
zur FPÖ unterstellen, aber die Vorwürfe gegen ihn
darauf zu reduzieren ist verharmlosend. Auch die
Aufforderung, die Studierenden sollten doch mit ihm
diskutieren, zeugt von Verharmlosung oder nur von
Ahnungslosigkeit was die Machtverhältnisse an der
Universität betrifft. Studierende können Lehrenden
in einer Diskussion nicht auf Augenhöhe begegnen,
weil sie in der Hierarchie klar unter ihnen stehen
und oft abhängig von Benotungen sind. Mal abgesehen davon, dass es auch gar nicht darum geht, Höbelt zu belehren, sondern dieses Verhalten zu skandalisieren. Dann kommt in die Berichterstattung
noch ein guter Schuss Vermischung dieses Falles mit
der Kritik an Alice Schwarzer und Diskussionen an
US-amerikanischen Universitäten, und raus kommt
ein undifferenziertes Gesamtbild mit dem Tenor:
Die Studierenden sind im Unrecht. Dabei wurden
gerade diese Studierenden vor ein paar Jahren noch
so für ihre angebliche Politikverdrossenheit kritisiert. Jetzt aber sind sie plötzlich zu laut, zu radikal
in ihrer Kritik und ihren Forderungen und haben
seit neuestem die wundersame Macht erlangt, ganze
Karrieren zu zerstören, Diskurse zu dominieren und
Unis lahmzulegen.&lt;p&gt;
Gerade die Reaktion der Universität bzw. die
Nicht-Reaktion hat auch zur Eskalation der Proteste
beigetragen. Erst nach dem Gipfel mit der Blockade
der Vorlesung und dem Standard-Streitgespräch
zwischen dem Professor und der ÖH-Uni Wien
Vorsitzenden Jasmin Chalendi gab es eine Stellungnahme des Instituts für Geschichte. Dieser
schloss sich auch das Institut für Zeitgeschichte
an. Die Stellungnahme legt sehr aufschlussreich
auch interne Diskussionsprozesse offen und stellt
sich gegen die „schleichenden Normalisierung von
rechtsextremem Gedankengut“ in Bezug auf Höbelts
Publikum, wie die rechtsextremen „Identitären“.
Auch haben Lehrende der Universität Kommentare
veröffentlicht, die sich kritisch mit manchen Aussagen oder seiner Sicht auf die Geschichtswissenschaft
auseinandersetzen. Das Rektorat jedoch stellt sich
nur im Wunsch um ein „respektvolles Miteinander“
gegen die Eskalation der Proteste und schweigt sonst
beharrlich. Sicher, Höbelt ist außerordentlicher Professor und hat alle Rechte, die damit einhergehen.
Das sind in dem Fall vor allem Lehrbefugnis und
Kündigungsschutz. Aber deshalb keine öffentliche
Äußerung zu den Vorwürfen zu tätigen, oder diese
auch nur zu prüfen, ist unverständlich und lässt
es so aussehen, als wären diese gar nicht der Rede
wert. Dadurch entsteht das Bild, die Uni-Leitung
würde sich hinter Höbelt stellen, was nicht zur Deeskalation beiträgt.&lt;p&gt;
&lt;strong&gt;Affäre erinnert.&lt;/strong&gt; Nicht nur wegen der Reaktion der Universität fühlen sich viele unweigerlich an die Borodajkewycz-Affäre erinnert. Taras
Borodajkewycz, Professor für Wirtschaftsgeschichte
an der damaligen Schule für Welthandel (heute
Wirtschaftsuniversität) war 1946 als „minderbelastet“, also in minderem Maß in der NSDAP tätig,
eingestuft worden, jedoch weiterhin stolz auf seine
NSDAP-Mitgliedschaft. Er tätigte in seinen Vorlesungen immer wieder nazistische und antisemitische
Aussagen. Diese wurden von einem Studenten (späterer Finanzminister Lacina) dokumentiert und von
einem jungen Juristen (Heinz Fischer) veröffentlicht
und skandalisiert. Die Affäre gipfelte 1965 in einem
Zusammentreffen einer antifaschistischen Demonstration von Gegner_innen des Professors und einer
vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) organisierten Gegendemonstration. Bei diesem Zusammentreffen schlug ein vorverurteilter Neonazi den kommunistischen Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger
zu Boden, welcher später an seinen Verletzungen
verstarb. Die Borodajkewycz-Affäre hatte den ersten
politischen Toten der Zweiten Republik gefordert.
Borodajkewycz selbst wurde erst 1971 zwangspensioniert – mit vollen Bezügen.&lt;p&gt;
&lt;strong&gt;Gleichsetzen lassen sich beide Affären nicht, vergleichen aber sehr
gut.&lt;/strong&gt; Zum einen ist es wieder der RFS, der sich
gemeinsam mit Deutschnationalen Burschenschaften und Identitären dazu berufen fühlt, Höbelt
gegen „Linksextreme“ zu verteidigen. Wie bei
Borodajkewycz wird die Freiheit der Wissenschaft
als Totschlagargument verwendet. Zum anderen
sind der eigentliche Grund für die Proteste ja weder
Borodajkewycz noch Höbelt. Sie beide sind Symptome eines gesellschaftlichen Konflikts und Anlässe, dass sich dieser an der Universität entzündet.
Insofern könnte man das Gefühl bekommen, dass
sich in den letzten 50 Jahren nichts verändert hat an
Österreichs Universitäten. Dabei hat sich sogar sehr
viel getan. Die Universität Wien als Institution und
ihre Historiker_innen haben sich intensiv mit NaziKontinuitäten an der Universität auseinandergesetzt.
Als 2017 antisemitische und sexistische Inhalte aus
Chatgruppen der Aktionsgemeinschaft (ÖH Fraktion) am Juridicum bekannt wurden, reagierte die
Universität sofort. Deshalb ist das Schweigen der
Uni-Leitung jetzt auch so unverständlich. Denn auch
wenn Höbelt nicht persönlich verantwortlich sei,
wenn seine Hörer_innen angesichts der Jüdischen
Österreichischen Hochschüler_innen „Juden raus!“
schreien, muss darauf reagiert werden. Eine Reaktion bleibt aber aus.
Was nach einem Protest-Semester bestehen bleibt
ist Höbelts Lehrauftrag, den er sehr komfortabel
zur Mittagszeit im repräsentativen Hauptgebäude
ausführen darf. &lt;p&gt;Durch die momentane Schließung
der Universitäten durch COVID-19 wird diese
Vorlesung und so auch mögliche Proteste bis April
nicht stattfinden. Die Spannungen sind aber definitiv
nicht gelöst. Bestehen bleibt die Legitimation, die
Höbelt seinem Lehrauftrag verdankt. Auch wenn er
in seinen Vorlesungen mittlerweile nichts Grenzüberschreitendes mehr von sich gibt – das Göring
Zitat aber war sehr wohl aus einer Vorlesung – kann
er dennoch als „Professor an der Universität Wien“
an rechtsextremen Veranstaltungen teilnehmen und
sprechen. Er wurde zur Causa laufend interviewt
und konnte sich profilieren. Nun kann das sehr wohl
eine Folge der Proteste sein, wie einige meinen.
Wenn es keine Proteste gegeben hätte, würde Höbelt
in ein paar Jahren ruhig in Pension gehen. So hat er
kurz davor noch einmal Trubel um seine Person, an
dem er sichtlich Freude hat. Das mag sein, aber er
kann nur so freudig und entspannt sein, weil er bis
jetzt noch nie Konsequenzen erfahren hat. Das ist
der wahre Skandal! &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;field field-name-field-images-below field-type-image field-label-hidden&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-items&quot;&gt;&lt;div class=&quot;field-item even&quot;&gt;&lt;img typeof=&quot;foaf:Image&quot; src=&quot;https://progress-online.at/files/styles/original_cropped/public/Progress_Protest_H%C3%B6belt.jpg?itok=V6_4WfWk&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;  &lt;/div&gt;
&lt;/div&gt;
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 <pubDate>Fri, 24 Apr 2020 12:31:33 +0000</pubDate>
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